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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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1. Kurze Uebersicht des Zustandes der Kriegskunst. 33

sich seiner fast ausschliesslich, während der Gebrauch der kalten Waffezur grössten Bedeutungslosigkeit herabsank und selbst in der Eeiterei,mit ganz wenigen Ausnahmen, eine nur untergeordnete Anwendung fand.Die Folge hiervon war, dass man bei der Aufstellung der Heere voneinem Extrem zum andern überging: die gedrängte, tiefe Massenauf-stellung verwandelte sich in eine gedehnte, deployirte.

Ungeachtet alles Strebens, die Wirkung der Schusswaffen zu heben,erlangten sie, besonders die schwere und unbehülf liehe Artillerie, nur 'einen geringen Grad von Vollkommenheit in ihrer praktischen Anwen-dung, und ihr Feuern war ein sehr langsames.

Die taktische und innere Einrichtung der Heere, besonders die Ver-mehrung der Eeiterei, Artillerie und des Trains, wie auch die Verpro-viantirung der Heere mittelst der Magazine, waren Ursache ihrer ausser-ordentlichen Immobilität, sowie der Langsamkeit ihrer Bewegungen undOperationen.

Alles zusammengenommen jedoch, machte die Kriegskunst in dieserPeriode wichtige und bedeutende Fortschritte. Die dieser Periode eige-nen militärischen Begriffe, der in ihnen herrschende Methodismus unddas Bestreben, die Kriegskunst gewissen unumstösslichen Formeln unter-zuordnen, gaben ihr eine allzu theoretische Richtung, wobei aber ofteine falsche und verkehrte eingeschlagen wurde. Sowohl in praktischerals theoretischer Hinsicht war es das Geniewesen, das mehr als alleübrigen Zweige der Kriegskunst die bedeutendsten Fortschritte machte.Daher kann diese Periode einerseits als die glänzendste Epoche desGeniewesens angesehen werden und im Uebrigen als der Beginn derEntwickelung, Vervollkommnung und der allgemeinen Verbreitung derneuern Kriegskunst, deren erste Grundlagen im niederländisch-deutschenKriege und hauptsächlich durch Gustav Adolph gelegt wurden.

Oalitzin, Allgem, Kriegsgeschichte. 111,2.