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Abth. 3, Die Neuzeit Bd. 2 (1874) Kriege der II. Hälfte des XVII. und I. Hälfte des XVIII. Jahrhunderts : 1648 - 1740
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32 II. Die Kriege am Ende des 17. und am Anfange des 18. Jahrhunderts.

Belagerung waren selten, wogegen Eroberungen durch Bombardementssich oft wiederholten. Die bedeutendsten dieser Art sind die EroberungenLuttichs, Genuas und Algiers.

Ungeachtet der bedeutenden VergrÖsserung der Vertheidigungsmittelkonnten sich doch nur sehr wenige Festungen lange halten, und das auchnur in Folge der fehlerhaften Führung der Belagerung, und nicht inFolge des Eifers und der Kunst der Belagerten. Die Festung ergabsich gewöhnlich auf eine Capitulation hin, die für die Garnison vortheil-haft war.

Bezüglich der Truppen des Geniewesens hatte man in FrankreichMineurs, die gleich den Kanonieren in den verschiedenen Festungen zer-streut waren. Ludwig XIV. bildete aus ihnen 1679 eine besondere Com-pagnie, und schon 1695 hatte man drei Mineur-Compagnien.

Wenn auch in Frankreich schon seit lange ein Geniecorps bestand,so erhielt es doch erst seit Vauban seine eigentliche praktische undtheoretische Ausbildung. Unter seiner Leitung erhielten die französischenIngenieure unstreitig den Vorzug vor allen europäischen Ingenieuren.

In Deutschland bildete das Geniewesen eine Art Handwerk, und diegeschicktesten Ingenieure und Artilleristen traten oft für Gehalt in denDienst anderer Staaten, nicht nur um Festungen zu bauen, sondern auchum beim Angriff und bei der Vertheidigung derselben behülflich zu sein.

§8.Allgemeine Schlussfolgerung über den Zustand der Kriegskunst

dieser Periode.

Aus dem bisher Mitgetheilten ersieht man im Allgemeinen Folgendes:Mit der zweiten Hälfte des 17. und der ersten des 18. Jahrhun-derts begann man die Heere in ihrem ganzen Umfange in einen ge-regelten Zustand zu bringen, wie dieses während des Zeitabschnittesdes dreissigj ährigen Krieges mit den einzelnen Theilen des Heeres derFall war. Die Heere wurden allerwärts zu stehenden. Dadurch dassihre innere Einrichtung, wie auch die auf den Krieg selbst bezüglicheEinrichtung derselben ein Gegenstand der unmittelbaren Aufmerksamkeitund Sorgfalt der Regierungen wurde, nahmen sie überall ein geregelteresund dem Wohle der Staaten entsprechenderes Ansehen an, als ehe-dem , und entwickelten und vervollkommneten sich dadurch bedeutend,wenngleich in mancher Hinsicht zur Erlangung dieses Zieles ein falscherund verkehrter Weg eingeschlagen wurde. Die bedeutendsten Verände-rungen und Vervollkommnungen geschahen im französischen Heere, ähn-lich denen, welche in der Periode des dreissigj ährigen Krieges im schwedischen Heere vorkamen.

Das Feuergewehr wurde das allgemein gebräuchliche, man bediente