172 II. Vom Tode Karl's d. Gr. bis zur Einführung der Feuerwaffen.
ursprünglich zwischen Wolga, Karna. Tobol und dem oberen Jaik, undsiedelten, von den Petschenegen gedrängt, im J..884 nach derGegendnördlich vom Asowschen Meere über, in Abhängigkeit von den Cha-zaren, und von dort in das heutige Bessarabien und endlich nach Un-garn. Das ganze nordöstliche Europa war unter dem allgemeinen NamenBiarmia (Beormas) bekannt, welches von finnischen Stämmen vondiesseits und jenseits des Uralgebirges bis zur Nordsee hin bevöl-kert war.
Ueber die öffentliche und Kriegsorganisation der finnischen Stämmeexistiren keine ausführlichen und sicheren Nachrichten. Gewiss ist nur,dass sie in getrennten Stammeswesen lebten, rohe Heiden waren, einhalb wildes Volk, das sich theils vom Ackerbau, grösseren Theiles vonJagd und Fischfang nährte u. s. w., und dass sie weder im öffentlichenLeben, noch durch Eroberungen hervorragten. Diejenigen von ihnen,welche mit den Ost-Slawen zusammengrenzten, waren deren Einflussunterworfen, und dann wurden sie von den ersten russischen Fürstenunterjocht und verschmolzen allmählich mit den Slawo-Russen.
Dielitthauischen Stämme, Preussen, Korsj, Lieven, Esthen,Letgolen, Litven, Simigolen. Schmuden u. s. w., welche nord-westlich von den Ost-Slawen lebten, standen in ihrem öffentlichen Lebennicht höher als die finnischen Stämme, einige von ihnen sogar tieferdurch ihre Wildheit und Rohheit, sogar bis zum 12. Jahrhundert. Inihren dichten Wäldern, ihren ausgedehnten Sümpfen lebten sie in klei-nen gesonderten Stämmen. von eigenen Fürsten regiert, in der Einfach-heit und Rauhheit der Sitten von Urvölkern und in tiefem Götzendienste.Die vordersten von ihnen, den Ost-Slawen am nächsten, waren die Gol-jaden an dem Protwaflusse. In dem heutigen Gouvernement Grodnolebte ein äusserst wilder und roher Stamm, die Jatwjagen (Jatwigen),welche von den Einen zum litthauischen Stamme, von Andern für Ueber-reste der sarmatischen Jazygen gehalten werden.
Das litthauische Volk theilte sich in fünf Klassen: 1. Priester, 2. Für-sten, von alter, adliger, durch Kriegsthaten ausgezeichneter Herkunft,welche zu Heerführern erwählt waren und grosse Macht und grossen Ein-fluss auf das Volk hatten, 3. Männer edler Abkunft, welche die Klasseder Grundbesitzer und den Kriegerstand bildeten, 4. das gemeine Volk,das kein Land besass und dafür an die Grundbesitzer Pacht zahlte, und5. Sclaven aus den Kriegsgefangenen und aus solchen, die sich Armuthshalber freiwillig als Sclaven verkauften. Wer sich durch persönlicheEigenschaften und Thaten auszeichnete, konnte, auch wenn er nicht vonadliger Geburt war, im Fall des Krieges zum Kriegsführer (Wada) erwähltwerden.