Quellen und historische HUlfsmittel. 19
Die Aufzeichnungen des nordöstlichen Russlands begannen wahr-scheinlich ziemlich früh, zu Anfang des 13. Jahrhunderts. Dieser Zeit gehörtdie erste auf uns gekommene Sammlung der Susdal'sehen Redaction an;aber Susdal'sche Chroniken wurden in vielen Städten geführt: in Wladimira,Perejaslawl u. A., hauptsächlich in Rostow. Nach dem Einfall der Mongolenbesteht die Troitzki'sche Sammlung fast in rostowschen Handschriften, eswerden überhaupt die Spuren vonLocalchroniken deutlicher. Alle diese Hand-schriften gehen in der Folge in grössere Sammlungen über, welche grössten-theils in Moskau zusammengestellt werden. Seit der 1. Hälfte des 14. Jahr-hunderts finden sich in einer grossen Zahl nordöstlicher Sammlungen vorherr-schend m o s k a u i s c h e Nachrichten.
Chronographien der allgemeinen byzantinischen Geschichte erscheinen beiuns sehr früh (vor Allen zuerst der Chronograph des Georgios Hamarto-los), aber besonders in der Form russischer Compilationen in 2 Redactionen,der einen von 1512, der andern von 1617 (später treten neben den byzantin.Quellen schon polnische und lateinische auf ) .
Eine besondere und wichtige Stelle nehmen in der russischen Chronistikdie litthaui sehen Handschriften in 2 Redactionen ein: die abgekürzte,welche mit dem Tode Gedimin's anfängt und 1446 endet, und die vollstän-dige von der Mythenzeit bis 1506.
Ausser den Chroniken gehören zu den Quellen russ. Geschichte auchSagen und Erzählungen von einzelnen merkwürdigen Begebenheiten unddie Lebensbeschreibungen von Heiligen , welche durch ihre Heilig-keit berühmt geworden sind. Zu den ersteren gehören z. B. die Erzählungenvon Boris undGljeb, von der Blendung des Wasili, von der Gründung desHöhlenklosters zu Kijew, von der Ermordung des Andreas Bogoljubowvon dem Zwist zwischen seinen Brüdern und seinen Vettern, von dem ZugeIgor's gegen die Polo wzer, von der Lipetzer Schlacht, der Schlacht anderKalka, von dem Einfalle Batu's, und besonders nach diesem Einfalle: von denMärtyrern Fürst Michael von Tschernigow und dessen Bojarin Feodora,vonAlexanderNe wski, von dem litthauischen, nachmaligen pskowski-schen Fürsten Dowmont, von dem Fürstenthum Kursk, von dem Tode derFürsten Wladimir Wassiljewitsch von Volhynien und Michael Jaros-lawitsch von Twer, von des Letzteren Sohne Alexander u. s. w.
Aus den Lebensbeschreibungen der Heiligen sind anzuführen : das Lebendes heiligen Wladimir, welches dem Kijew'sehen Mönch Jacob zuge-schrieben wird, die von diesem verfassten: Lob des heiligen Wladimir,und Erzählung von Boris und Gljeb, sowie die von Nestor verfasste Er-zählung von Boris und Gljeb und das Leben des Höhlenbewohners T h e o d o -sius;— die Leben von 01 g a, Euphrosyne von Polotsk, LeontiusnndJesaias vonRostow, Abraham von Smolensk, Abraham von Rostow, undeines unbekannten Konstantin von Murom. Alle diese Biographien habenneben ihrer religiösen Bedeutung auch eine historisch-politische und kriegerische,da sie sich auf gleichzeitige Geschichtsereignisse beziehen.
Zu den Quellen der russischen Geschichte gehören endlich auch noch : diein den Staatsarchiven aufbewahrten geschriebenen Staatsakten (besondersseit dem 16. Jahrhundert: und die Denkmäler der Literatur und derAlterthumskunde. Zu den Akten gehören : 1. die Verträge von Ol eg,Igor und S wjatoslaw mit den Griechen, von Smolensk, Polozk und Now-gorod mit den Deutschen, von den Theilfürsten unter einander und mit Now-
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