360 DI- Ottonen. § 6. Lothringen. Cöln. Trier. Metz.
Jahrhundert in Corvey verfertigt sein mufs, doch, wie R. Wilmansnachgewiesen hat 1 ), erst gegen das Jahr 1160.
Wie viel des für uns werthvollsten Materials aber alle dieseChronisten unbeachtet bei Seite gelassen haben, davon giebt unsdas von Jaffe entdeckte Aufgebot von 981 zur Heerfahrt nach Italieneine Probe 2 ).
§ 6. Lothringen. Cöln. Trier. Metz.
Wir haben in Sachsen die neue Entwickelung litterarischerThätigkeit unter der unmittelbaren Einwirkung des OttonischenHauses betrachtet, und auch in Lothringen ist es ein Ludolfinger,der Kirche und Schule zu neuem Leben weckt, unter dessen Pflegeüberall frische Keime hervorspringen, die bald zu reicher Fülle sichentfalten.
Noch mehr als Sachsen war Lothringen durch innere Zwie-tracht zerrüttet und durch äufsere Feinde verwüstet. Die altenStätten der Cultur, die reichen Bischofsitze uud Klöster lagengrofsentheils in Asche, und von den Einkünften der Stiftsgüterzehrten die Vasallen, denen sie als Preis ihrer Treue oder Untreuezugefallen waren; kaum bewahrten ein Paar verwilderter und un-wissender Geistlicher den kirchlichen Charakter von Klöstern, dieman früher weithin mit Ehrfurcht und Bewunderung genannt hatte.
Durch Heinrich und Otto wurde das fast verlorene Land denWestfranken wieder entrissen und mit dem Ostreiche neu vereinigt;aber den innern Frieden herzustellen, Ordnung zu schaffen und diebeginnende Reform der verwahrlosten kirchlichen Zustände zu pfle-gen und zu befestigen, das war die schwere Aufgabe, welche demBruder Otto's des Grofsen, dem Erzbischof Bruno von Cöln(953—965), zufiel und von diesem auf das gländzendste gelöstwurde.
Wir haben schon oben S. 321—323 der Wirksamkeit diesesausgezeichneten Mannes gedacht, und können um so weniger aufeine ausführliche Schilderung derselben eingehen, da er selbst nichtals Schriftsteller aufgetreten ist 3 ). Sein Leben hat uns einer seiner
J ) Kaiserurkunden der Provinz Westfalen I, 109 — 112, zu MG. SS.III, 840 und 860.
2 ) Bibl. V, 471; vgl. Max Lehmann, Forsch. IX, 435—444. Giesebr. I,842. G. Matthaei, Klosterpolitik Heinrichs II (Dias. Gott. 1877) S. 91—95.
3 ) Die von Peiffer aufgewärmte Nachricht von Commentaren zumPentateuch und zu den Evangelien, die er verfafst haben soll, ist unglaub-lich. Man kann Ruotger und der Cölner Kirche den Schimpf nicht anthun,