Thietmar von Merseburg. 359
(26—28); im Jahre 1018 endlich., was von der Fortsetzung nochübrig war, wobei natürlich, die Annalen nicht mehr zu gebrauchenwaren.
Möglich, dafs nicht alle Einzelheiten richtig sind, aber imwesentlichen ist wohl an der Richtigkeit dieser Ergebnisse nicht zuzweifeln und es lösen sich dadurch viele Schwierigkeiten, um somehr, da auch alle die zahlreichen Nachträge und Aenderungenzweiter Hand genau verzeichnet sind. Etwas räthselhaft sind Zu-sätze einer Hand, welche Lappenberg Thietmar selbst zuschrieb,während Kurze sie erst in die Zeit Heinrichs V setzt. Ueberallwo diese Zusätze sich finden, ist zugleich am Rande etwas ausge-kratzt und dem Inhalt nach scheinen sie gleichzeitig zu sein.
Für die ersten drei Bücher standen Thietmar wenig Quellenzu Gebote, die wir nicht auch noch besäfsen; aber von dem Anfangeder Regierung Otto's III an werden seine eigenen Mittheilungenimmer reichhaltiger. Er schrieb die Geschichte dieser letzten Jahregleichzeitig mit den Ereignissen selbst; sein "Werk nimmt da fastden Charakter eines Tagebuches an und verbindet deshalb die Zu-verlässigkeit der besseren Annalen mit gröfserer Fülle und Reich-haltigkeit.
Dafs es ihm, dem Bischof, der viel am Hofe verkehrte undzum Rathe des Kaisers gehörte, dem nahen Verwandten der be-deutendsten Fürsten nicht an Mitteln fehlte, sich über die wichtig-sten Vorfälle und den ganzen Gang der Begebenheiten genau zuunterrichten, erwähnten wir schon; auch entfernte Begebenheitenbei anderen Völkern und an den fremden Höfen verfolgt er mit be-merkeuswerther Aufmerksamkeit und Kenntnifs. Ebensowenig istaber auch ein Grund vorhanden, seine Wahrheitsliebe zu bezweifeln.Sich selbst schont er durchaus nicht; mit der rührendsten Beschei-denheit deckt er seine eigenen Fehler und Schwächen auf, unddurchgehends bewährt er sich als einen redlichen Mann von biede-rer Gesinnung und bestem "Willen. Dafür können wir ihm dennwohl die TJnbehülflichkeit der Darstellung, die grofse Leichtgläubig-keit, den oft gesuchten Ausdruck und das gelegentliche Prunkenmit seiner mühsam erworbenen Gelehrsamkeit verzeihen.
"Wegen seines vorherrschend provinziellen Charakters ist Thiet-mars "Werk zwar von sächsischen Schriftstellern viel benutzt worden,hat aber eine weitere Verbreitung nicht gefunden. Vorzüglich fleifsigwurde es vom Annalista Saxo ausgebeutet, mit Zusätzen über dasKloster Corvey, die sich in der Brüsseler Handschrift befinden.Daraus ergiebt sich, dafs die Urschrift derselben schon im zwölften