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1 (1893)
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326
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326 HI- Ottonen. § 1. Allgemeines.

eifrigen Beschäftigung mit der Philosophie verklagt, aber S. Paulustrat für ihn ein').

Der Abt Smaragdus, der 819 das Kloster Castellio nach Saint-Mihiel-sur-Meuse verlegte, bekämpfte den Widerstand gegen diegrammatischen Studien; in seiner Grammatik aber nahm er die Bei-spiele aus kirchlichen Schriftstellern 2 ). Doch fühlte man allgemein,dafs man die heidnische Litteratur nicht entbehren könne, ohne inBarbarei zu verfallen; Hraban trat sehr entschieden dafür ein, undselbst Anselm von Canterbury (ep. I, 55) hat einem Mönche gerathen,den Vergil zu lesen. War der geistliche Stand einmal der alleinlehrende, so mufste er auch diesen Gefahren sich aussetzen. Nuran einzelnen Orten und bei einzelnen Männern drang jene ascetischeRichtung durch; in den Schulen behaupteten sich bis ins dreizehnteJahrhundert Vergil und Horaz, Terenz, Ovid, Sallust, und verlocktenimmer von neuem die jugendlichen Gemüther durch den Zauberihrer Anmuth von den trockneren Vätern der Kirche.

Die Gewandtheit im Ausdruck, der leichte Flufs der lateinischenRede, im karolingischen Jahrhundert so allgemein verbreitet, warenjedoch in der fünfzigjährigen Unterbrechung schriftstellerischer Thä-tigkeit verloren gegangen; mit grofser Anstrengung mufste manwieder von neuem beginnen. Die mühsam erworbene gelehrte Bil-dung ist fast überall kenntlich; man war stolz auf die neue Kunstund trug sie gern zur Schau. Die schwerfälligen Phrasen sind er-füllt von ungeschickt eingefügten Ausdrücken der alten Schriftsteller,man prunkt gern mit Citaten und bringt die gelehrten Reminiscenzenauch da an, wo sie am wenigsten passend sind, wie z. B. Liud-prand die Ungern in ihrem Kriegsrath mit pedantischer Affeetationgriechische Worte einmischen läfst. Schulmäfsig gekünstelte Redensind besonders beliebt, und nur zu häufig erschwert der gesuchteAusdruck das Verständnifs des Inhaltes. Aber die frische Lebens-kraft, welche jetzt wiederum die von jugendlichem Aufschwungerfüllte Generation durchdrang, ist auch in dieser Vermummung nichtzu verkennen 3 ).

Leicht genug scheinen der Nonne Hrotsuit ihre Hexameter ent-

!) Thietmari Chron. II, 10.

2 ) S. über ihn Haureau, Smaragdus (Singularites p. 100—128); NA.D7, 250—253; Ebert II, 108—112. Seine Gedichte sind gedruckt Poet.Lat. I, 605—619; sie sind ausgeschrieben von Angelomus, ib. II, 675—677.Die Vorrede des Smaragdus zu seiner Via regia ist, wie Dümmler bemerkt,gedruckt bei Denis, Codd. bibl. pal. I, 1050.

3 ) Vgl. über den Charakter der Litteratur dieser Zeit W. Giesebrecht,Kaiserzeit I, 309.