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1 (1893)
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320
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320 HI: Ottonen. § 1. Allgemeines.

Bei den Frauen fand man im früheren Mittelalter weit eherals bei den Männern ans dem Laienstande die Anfänge einer ge-lehrten Bildung, die schwierige Kunst des Lesens und Schreibens,nebst einer Kenntnifs der allgemeinen Schriftsprache, welche zumVerständnifs des Psalters ausreichte 1 ). Leicht knüpfte sich mehrdaran, und auch der Einflufs, welchen Geistliche über weiblicheGemüther so leicht erlangen, begünstigte ihre Beschäftigung mit dembesonderen Erbtheile dieses Standes, den Büchern. Die Frömmigkeitder Königinnen Mahthild 2 ) und Edid ist bekannt; Heinrichs ITochter Gerberga veranlafste den Abt Adso zur Abfassung seinerSchrift über den Antichrist; Adelheid aber, die Burgunderin, undTheophano, die Griechin, zeichneten sich durch eine in Deutsch-land seltene litterarische Bildung aus, die sich auch in der sorg-samen Erziehung ihrer Kinder erkennen läfst. Ganz besonders wirduns die hohe Bildung der schönen Herzogin Hedwig von Schwabengerühmt, der Tochter von Otto's des Grofsen Bruder Heinrich vonBaiern. "Wie man sich in St. Gallen erzählte, war sie als Kind zurBraut eines griechischen Kaisers bestimmt, und wurde durch Kämmer-linge, welche dieser eigens deshalb gesandt hatte, im Griechischenunterrichtet, zerrifs aber diese Verbindung, welche ihr mifsfiel.Diese Geschichte freilich ist so, wie sie erzählt wird, nicht möglich.Später mit Herzog Burchard vermählt und früh (973) verwittwet,waltete sie auf ihrer Feste Hohentwiel mit männlicher Festigkeit, ja

aus dem elften Jahrhundert, nach H. Droysen im Hermes XII, 387 (Auctt.antiquiss. II, p. LXII) aus dem Anf. des 12. und hätte dieselbe Hand denText mit Randglossen, wie cave princeps, attende princeps, himüare princepsversehen, welche auf den Unterricht eines Fürsten deuten. Danach wäreein späterer Heinrich anzunehmen.

') Vgl. Giesebr. II, 54(5. Weinhold, Die deutschen Frauen S. 91.V. Bardonis maj. c. 1. Der Regensburger Marianus Scottus schriebmultamanualia psalteria viduis indigentibus ac clericis pauperibus ejusdem civi-tatis". Frau Ute in Lorschlas an ir salter alle ir tagezit", Diu Klagev. 1840.Saltere und alle buche, di zu gotis dinste hören, die vrowenphlegen zu lesene", gehören nach dem Sachsenspiegel I, 24, 3 zur Gerade.Verständnifs der Sprache war jedoch mit dem Lesen nicht nothwendigverbunden, so verstand Hildegard vor ihrer Erleuchtung den Inhalt nicht:solum psalterium legere didicerat more nobilium puellarum a quadaminclusa in monte Dysibodi". Alberici Chron. ad a. 1141. Im 13. Jahrh.wird einem Scholaren der Rath gegeben:Si vero grammaticam nequisscire pleno, Defectu ingenii, defectu crumene, Horas et psalterium discasvalde bene, Scolas si necesse est puellarum tene." Peiper in der Zeit-schrift f. Deutsche Philologie V, 183.

2 )Doinesticos omnes famulos et ancillas variis artibus, litteris quo-que instituit; nam et ipsa litteras novit, quas post mortem regis lucidesatis didicit." Widuk. III, 74. Anskar schickte der Liutbirg (oben S. 254)junge Mädchen zur Unterweisung im Psalmsingen und Handarbeit.