316 HI. Ottonen. § 1. Allgemeines. .
eine Schrift über Ehehindernisse 1 ). Bei seiner persönlichen An-wesenheit in Italien gelang es Otto endlich, ihn zu gewinnen 2 ). Anhundert Bücher behauptet Gunzo mitgebracht zu haben, darunterSchriften von Plato und Aristoteles; doch vermuthlich in lateinischerUebersetzung. Trotz seiner Gelehrsamkeit geschah es ihm zuweilen,durch das Italienische verleitet, dafs er die Casus verwechselte 3 ) unddeshalb wurde er in St. Gallen mit einem Spottliede verhöhnt, denner hatte statt eines Ablativs einen Accusativ gesetzt. Dagegen recht-fertigte sich nun Gunzo in einem sehr langen und sehr pedantischenBriefe an die Mönche von Reichenau, in welchem er seine ganzegelehrte Schulweisheit zur Schau stellt.
Einen Landsmann von ihm Namens Stephan, der in Paviagebildet war, in Novara und Pavia gelehrt hatte, beriefen KönigOtto und Bischof Poppo von Würzburg (941—961) aus Italien, undder Ruf seiner Vorträge über Marcianus Capella zog den jungen"Wolfgang aus Reichenau nach "Würzburg 4 ). Seine Bücher, welcheaber nicht zahlreich waren, vermachte er dem h. Kilian 5 ). Einige
') D'Achery, Spicil. I, 437.
-) So erzählt Gunzo selbst in seiner Epistola ad Augienses fratres beiMartene, Coli. I, 294. Der Codex aus St. Araand ist jetzt in Valenciennes,Mangeart p. 302. Eine zweite Hs. in Maihingen, NA. IX, 286. Man hatteihn auch in Stablo, Gottlieb, Mittelalt. Bibliotheken S. 440. Obgleich erOtto nur König nennt, zieht doch M. v. Knonau zu Ekk. S.328 das J. 965vor. Vgl. Gatterers Commentatio de Gunzone Italo, Norimb. 1756; Bur-sian, Gesch. d. Philol. S. 43. Dafs er der Ebersberger Probst Guntherioder Gunzo gewesen sei „Graecis ac Latinis litteris doctus, qui fuit con-scolasticus Gerberti pape" (Chron. Ebersp. MG. SS. XX, 18) scheint derZeit nach kaum möglich, da dieser nach Gr. Hundt von 1002 bis 1013Probst war.
3 ) „Falso putavit S. Galli monachus me remotum a scientia gramma-ticae artis, licet aliquando retarder usu nostrae vulgaris linguae quae la-tinitati vicina est." M. v. Knonau vermuthet, dafs Ekkehard II (palatinus)sein Gegner war.
4 ) V. Wolfkangi c. 5.
5 ) Nach den Versen bei Schannat, Vind. litt. I, 229 u. Oegg, "Versucheiner Korographie der Stadt Würzburg I, 542, die eine Art von Testamententhalten:
- Novaria genitus.....prae tnoenibus alta,
Utraque ut patuit, doctor in urbe fui.Ast Popo antistes hanc me perduxit in urbem,
Qua sophiae studiis dogmata crebra dedi.Quos habui paucos decrevi tradere libros,
Martyr sancte Dei, en Kiliane tibi.Caetera quae restat mihimet sat parva supellex,
Cedat fraternis usibus apta nimis.Quisquis ades nostri, rogito, possessor ovilis,Adde diem mortis, quem deus ipso sapit.
Actum anno dorn. ine. 970. 17 Kai. Aug.Das fehlerhafte erste Distichon ist nach dem Epit. zu verbessern.