298 H. Karolinger. § 20. Frankreich.
674—709) als Chronicon Vedastinum herausgegeben 1 ). Aufser Hie-ronynxus, Orosius, Beda, Isidor, Nennius, Jordanis, Gregor von Toursist Fredegar mit seinen Fortsetzungen benutzt, und die Reichsannalenmit den Bertin. und "Vedast., welche fast ganz aufgenommen sind, sodafs die Handschrift zur Verbesserung des Textes benutzt werdenkann. Von besonderer "Wichtigkeit ist die Benutzung der obenS. 202 erwähnten Compilation bis 805, von der "Waitz vermuthet,dafs sie noch höher hinaufgereicht habe, da schon im 7. und 8. Jahr-hundert gleiche Quelle mit den Ann. Mett. wahrzunehmen ist; dochmufs für die Zeit Karl Martells die Vorlage eine Lücke gehabt haben.Einige Stellen stimmen mit der Bisthumsgeschichte von Cambraiüberein, was für die Zeit der Abfassung entscheidend sein würde;doch nennt er diese Quelle Gesta Remensium, und ganz sicher istdie Benutzung nicht. Er giebt aber manchmal seinen Quellen falscheBenennungen, weicht auch im Wortlaut ab, und hat allerlei Nach-richten, deren Herkunft nicht festzustellen und deren Werth zweifel-haft ist. Guiman von St. Vaast um 1170, Hermann von Tournaiand Andreas von Marchiennes haben das Werk benutzt; früher alsins 11. Jahrhundert kann es nach der Beschaffenheit der allemAnschein nach erhaltenen Originalhandschrift unmöglich gesetztwerden.
Gehört nun diese Bearbeitung schon späterer Zeit an, so stammendagegen die oben S. 109 erwähnten Gesta Dagoberti aus dem Endedes neunten Jahrhunderts, und um 900 war nach B. Krusch auchschon die Bearbeitung vollendet, welche aus Gregor von Tours mitder unter Fredegars Namen bekannten Sammlung und deren Fort-setzern eine einigermafsen lesbare Frankengeschichte herstellte (S. 203).
"Wir finden also auch in Frankreich eine nicht unbedeutendeBeschäftigung mit der Geschichte, und namentlich die annalistischeForm der gleichzeitigen Geschichtschreibung reich entwickelt, bissie durch den Verfall des Reiches «rstickt wird 2 ). Von Aufzeich-
') S. 682, 32 1. campi suda; der angeführte Vers ist, wie ich vonDümmler erfahren, Prudentii Psychom. 637. Die Ausgabe von Dehaisnes,Les Annales de Saint-Bertin et de Saint-Vaast, suivis de fragments d'unechronique inedite, 1871, war verfehlt, s. Monod, Revue crit. 1872, 1, S. 242bis 254; G. "Waitz, GGA. 1873, S. 1—9; W. Arndt, HZ. XXXI, 167—171.Eine ältere "Compilation bis zum 6. Jahr des Heraclius, welche hierin be-nutzt scheint, beschreibt Mommsen NA. XVI, 430. — MG. SS. XIII, 710:Ex Guimanni libro de possessionibus S. Vedasti; p. 750: Catal. epp. Atreba-tensium; p. 382: Series abbatum S. Vedasti, e cod. saec. IX. abweichendvon der sonst überlieferten Folge.
2 ) Von den unbedeutenderen kleinen Annalen, welche doch häufigeinzelne schätzbare Nachrichten enthalten, erwähne ich Ann. S. Quintini