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1 (1893)
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294
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294 E. Karolinger. § 20. Frankreich.

Die alten Reichs-Annalen bilden für beide Reiche gleichmäfsigden Ausgangspunkt; während man aber am ostfränkischen Hofe dieseAufgabe erst nach einiger Zeit wieder aufnahm, trat im westlichenFranken keine Unterbrechung ein, und wir finden schon in denJahren 830—835 eine gleichzeitige Fortsetzung. Das Kloster St. Ber-tin hat nur deshalb den Namen dazu hergegeben, weil diese Anna-len zuerst aus einer Handschrift desselben bekannt wurden; sietragen einen durchaus universellen Charakter und haften an keinembestimmten Orte.

Die Hofschule bestand unter LuSwig dem Frommen, wie unterseinem Vater. Der Irländer Clemens setzte seine Wirksamkeit fort,und von Alderich und einem sonst unbekannten Thomas, den Wa-lahfrid preist, ist es, wenn auch nicht sicher, doch wahrscheinlich,dafs sie eine ähnliche Stellung hatten 1 ). "Walahfrids Berufung anden Hof bezeugt ebenfalls die Beachtung litterarischer Talente. DieVerdienste der Kaiserin Judith in dieser Beziehung waren schonwiederholt zu erwähnen. An Karls des Kahlen Hof glänzte JohannesScotus 2 ). Ihm widmete auch ein unbekannter Autor ein geogra-phisches Werk, welches ganz aus Stellen alter Schriftsteller zu-sammengesetzt, und ein Zeugnifs für die eifrig betriebenen Studienin jener Zeit ist 3 ). Seine Sorge für wissenschaftliche Bildung wirdgerühmt, und zu seiner Zeit wird Manno als Vorsteher der Hof-schule genannt, welcher als Probst von Saint-Oyan (später Saint-Claude) im Jura am 16. Aug. 880 gestorben ist, nachdem er diesemStifte mehrere noch jetzt erhaltene Handschriften dargebracht hatte*).

In dieser Schule ist auch der Spanier Galindo ausgebildet,welcher den Namen Prudentius annahm 5 ); ein vornehmer Jüng-ling, welcher frühzeitig ins Frankenreich gebracht war. Aus dieserZeit, noch vor 817, haben sich an ihn gerichtete Verse eines un-bekannten Dichters erhalten, leider nur theilweise verständlich 6 ).

') Simson, Ludwig d. F. 256—261; vgl. Dümmler, Hist. Z. XXXVII,134. Ostfr. III, 651. 652.

2 ) Reuter, Gesch. d. Aufklärung I, S. 51—64.

3 ) Anonymi de situ orbis libri duo, ed. M. Manitius, Stuttg. 1884,Der Prolog NA. IV, 176.

4 ) „Voto bonae memoriae Mannonis über ad sepulcrum sancti Augendioblatus." S. Dümmler, Ostfr. III, 652. Probst war er schon 870. Ueberseinen Collegen Joseph s. unten S. 300. Merkwürdige Verse und Briefeaus Karls d. K. Zeit, worin auch Manno erwähnt wird, NA. XIII, 343 bis357, von Dümmler.

5 ) Ebert II, 267, u. S. 365—368 über die Annalen. Dümmler, NA.IV, 314.

G ) Poet. Lat. I, 579. Dafs der Verf. Prudens geheifsen, widerlegtL. Traube, Karol. Dicht. S. 65, u. gibt Verbesserungen zum Text.