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1 (1893)
Entstehung
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281
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Reichenau. Walahfrid. 281

bittet ihn aus der Ferne um Bücher und eigene Gedichte; zugleichübersendet er ihm Gedichte „Modoini magni", den er auch in andernan ihn selbst gerichteten Versen feiert 1 ). Kaum hatte er die AbteiReichenau erhalten — bei seiner geringen Herkunft eine ganz unge-wöhnliche Auszeichnung —, so wurde er auch in die politischen"Wirren hineingezogen; als eifriger Anhänger Lothars und der Reichs-einheit, deren Herstellung er noch von ihm hoffte, flüchtete er nachLudwigs Tod und der Ueberwältigung Alamanniens durch Ludwigden Deutschen nach Speier, wo er ein Gedicht voll Lobpreisung auLothar richtete, in welchem er seinen Klagen und seinen HoffnungenAusdruck gab 2 ). Lothar hatte in früheren Zeiten einmal persönlichden vermeintlichen Leib des h. Januarius nach Reichenau gebracht,was merkwürdiger Weise im Kloster ganz vergessen wurde und nurdurch eine sehr schöne Sapphische Ode Walahfrids bekannt ist 3 ).

Sehr bald hat sich Walahfrid doch auch mit Ludwig dem Deut-schen ausgesöhnt, und vielleicht durch Grimalds Einflufs erhielt er842 die Abtei Reichenau von neuem; im Jahre 849 wurde ihm eineBotschaft des Königs an dessen Bruder Karl anvertraut. Auf dieserReise starb er, kaum vierzigjährig, am 18. August durch einen Un-fall beim Ueberschreiten der Loire 4 ).

Die von Walahfrid überarbeiteten Lebensbeschreibungen desGallus und Othmar, sein Vorwort zu Einhards und zu Thegans Werkenerwähnten wir schon; selbständige geschichtliche Werke hat er sowenig wie Hraban verfafst, aber sein Buch über Ursprung und Ent-wickelung der kirchlichen Einrichtungen enthält viel beachtenswerthesüber die Verfassung der Kirche in jenen Zeiten, ähnlich dem WerkeHrabans, aber noch lehrreicher, weil er durchgängig die kirchlichenEinrichtungen mit den weltlichen vergleicht 5 ).

Eines der merkwürdigsten Zeugnisse für den ernstlichen Eifer,mit welchem man in diesen Klöstern damals das Studium des clas-sischen Alterthums betrieb, bietet uns die durch Mabillon bekanntgewordene Handschrift von Einsiedeln, deren Urschrift ausReichenau zu stammen scheint. Wohl ein Schüler Walahfrids, im

») Dümmler in d. Zeitschr. f. D. Alt. XXI, 82—86. Poet. II, 403. 355.

2 ) Dümmler in d. Zeitschr. f. D. Alt. XXI, 462—466. Poet. II, 413.

3 ) Dümmler im Anz. d. Germ. Mus. XXIII (1876) 177—188. Poet.II, 415.

4 ) Epitaphium ed. Dümmler, Zeitschr. f. D. Alt. XIX, 113. Poet.II, 423.

5 ) Das sprachlich interessante Cap. 7 theilt Dümmler in d. Zts. f. D.Alt. XXV, 99, berichtigt mit. Neue Ausg. v. AI. Knoepfler, München 1890,vgl. Dümmler, NA. XVII, 224. Eine andere wird für MG. Capitularia IIvorbereitet.