Druckschrift 
1 (1893)
Entstehung
Seite
170
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170 II- Karolinger. § 6. Paulus Diaconus.

damit das schon in der Widmung der Römischen Geschichte derAdelperga gegebene Versprechen, sie bis auf seine Zeit fortzu-setzen.

Als einen bedeutenden Historiker können wir Paulus freilichnicht betrachten. Die Sprache weifs er in seinen Gedichten mitLeichtigkeit und Anmuth, wenn auch nicht fehlerfrei, zu behandeln 1 )und in der Erzählung zieht uns ihre schmucklose Einfachheit an.Von der gesuchten Gelehrsamkeit und Ueberkünstelung so wie vonder barbarischen Rohheit des siebenten Jahrhunderts ist er frei, undfür sein Zeitalter ist seine gelehrte und sprachliche Bildung aufser-ordentlich hoch anzuschlagen 2 ). Allein historische Kunst oder tiefereAuffassung dürfen wir bei ihm nicht suchen. In der Geschichteder Bischöfe von Metz berichtet er anfangs die fabelhafte Local-tradition, ohne ein Urtheil darüber auszusprechen, als Sage, dannschöpfte er seine Nachrichten aus Gregor, Fredegar und dem LebenArnulfs; was er aus der neueren Zeit hinzufügt, ist wenig bedeutend,wie denn auch dieses ganze Werk über einen ihm fernliegendenGegenstand, auf den Wunsch seines Gönners verfafst, zu keinenhöheren Ansprüchen berechtigt.

Anders verhält es sich mit der Geschichte der Langobarden.Leider reicht sie nur bis zum Tode Liutprands (744), und es fehltuns also die Darstellung der Zeit, welche der Verfasser selbst durch-lebt hat. So weit er aber mit seiner Arbeit gekommen ist, findenwir auch hier nur einfache Erzählung, zusammengesetzt aus dermündlichen Ueberlieferung und schriftlichen Quellen, wie der Origo,

Uebersehene Hs. der Classe D. Christ. 597, NA. X, 165. 231. Cod. 96 = 105ist jetzt in Paris Nouv. aequis. lat. 1602. Ueber die umgearbeitete Bam-berger Hs., welche Spruners Uebersetzung zu Grunde liegt, s. Waitz imArch. IX, 673—703, über eine verwandte in Oxford R. Pauli im NA. II,161—168. G. Calligaris über eine Hs. in Turin im Bull. dell'Istituto stör.Ital. n. 10, S. 31 ff. u. Studien zur Kritik des Paulus in Mem. della R.Deputazione di storia patria per la Venezia 1890 (NA. XVII, 224). —Uebers. v. O. Abel 1849, 2. A. v. Reinh. Jacobi 1878, Geschichtschr. 15(VIII, 4). — Ueber den Weg, auf welchem die Lang, gekommen, Virchowin Verh. d. Berl. Anthropol. Ges. v. 17. Nov. 1888, S. 508-532 (NA. XV,211). Chroust, Ortsbestimmung, nach Pogatschnigg, NA. XV, 585.

') Die von Dümmler NA. X, 165 nachgetragenen Verse sind in scherz-hafter Absicht, im Anschlufs an vorhergehende ähnlicher Art, mit Vernach-lässigung aller metrischen Regeln gemacht.

3 ) Waitz: Ueber die handschriftliche Ueberlieferung und die Spracheder H. Langobardorum, NA. I, 533—566. Die Ausgabe bietet doch nichtdie barbarische Sprache, welche die ältesten Handschriften enthalten. Eskommen allerdings grobe grammatische Fehler vor, und zwar in den letz-ten Büchern zunehmend. Da ist in Anschlag zu bringen, dafs das Werkunvollendet blieb.