LebeD des Paulus Diaconus. 167
reich abgeführt war, und deren Todesjahr unbekannt ist. Nochfeiert er darin Adelchis als die Hoffnung der Langobarden.
Wann Paulus in den geistlichen Stand eingetreten ist, dem erseinen Beinamen Diaconus verdankt, wissen wir nicht; ebenso wenig,wann er in dem grofsen Mutterkloster des Abendlandes zu Monte-cassino das Mönchsgelübde abgelegt hat; vielleicht führte ihn dorthindie Anhänglichkeit an König Ratchis, der hier als Mönch seinenWeinberg baute, vielleicht die Noth nach der Confiscation der Güterseiner Familie. Das stille Klosterleben aber gewann bald einensolchen Reiz für Paulus nach den traurigen Zeiten, die er durchlebthatte, dafs er die heilige Stätte wohl nicht wieder verlassen habenwürde, wenn nicht die politischen Ereignisse ihm auch hier keineRuhe gelassen hätten.
Im Jahre 776 nämlich war im Friaul ein Aufstand gegen dieFranken ausgebrochen, dem vielleicht Paulus selbst nicht fremd war,und wohl ohne Zweifel war dies die "Veranlassung, weshalb seinBruder Arichis gefangen fortgeführt wurde und sein Vermögen verlor.Lange scheint sich Paulus jeder Annäherung an die Franken ent-halten zu haben; als aber Karl 781 nach Rom gekommen war, undin der Ordnung der italischen Verhältnisse seine Mäfsiguug undMilde bewährt hatte 1 ), da richtete Paulus, sechs Jahre nach jenemEreignifs, eine Elegie an den König, worin er ihn um Gnade fürseinen Bruder bat 2 ). Damit begab er selbst sich zum Könige, undschrieb am 10. Januar 783 von den Ufern der Mosel einen Brief anseinen Abt Theudemar 3 ), worin er noch den festen Entschlufs aus-spricht, in sein Kloster, nach welchem lebhafte Sehnsucht ihn erfüllte,heimzukehren, sobald er den Zweck seiner Fürbitte erreicht habe.Er rühmt aber sehr die gute Aufnahme, welche er gefunden habe.Es war gerade die Zeit, in welcher Karl die Gelehrten aller Länderan seinem Hofe versammelte, und Paulus liefs sich doch bestimmen,einige Jahre an dieser ersten frischen Entfaltung litterarischer Thätig-keit sich zu betheiligen. Noch haben sich Verse erhalten, welche inKarls Namen Peter von Pisa an ihn richtete 4 ), wo in scherzhafterUebertreibung seine Gaben und Kenntnisse gefeiert werden. Ebenwolle er seine Tochter nach Griechenland verheirathen, sagt Karl,und Paulus solle ihre Begleiter in dieser Sprache unterweisen. Be-
') „Quod raro fieri adsolet, clementi moderatione victoriam tempera-vit." Pauli Gesta epp. Mett. p. 268.
2 ) Versus ad regem precando, wiederholt bei Waitz, S. 15; Poet.Lat. I, 47.
3 ) Wiederholt bei Waitz, S. 16.
4 ) Bei Waitz S. 17; Poet. Lat. I, 48.