162 II- Karolinger. § 5. Alcuin.
gehört, wenn gleich der stoffliche Inhalt geringer ist, als wir wün-schen möchten. Die gröfste Masse ist aus den letzten Jahren, inwelchen Alcuins Frömmigkeit immer mehr überhand nahm, undfromme Ermahnungen sind in hohem Grade vorherrschend. Ebendiese gaben in jenen Zeiten Anlafs, sie als Vorbilder zu sammelnund abzuschreiben; es zeugt aber von der hohen Bedeutung desMannes, dafs nicht wie bei anderen Briefsammlungen, die Haupt-masse einem Conceptbuch des Verfassers entstammt, sondern wieSickel nachgewiesen hat, seine Schüler und Verehrer, ein Arno,Adalhard, Angilbert, dazu Angelsachsen es gewesen sind, welchedie ihnen zugänglichen Briefe sammelten und dadurch vor demUntergang bewahrten 1 ).
Viel und gern versuchte Alcuin sich auch in Gedichten, welchefreilich sehr iucorrect, aber doch nicht ohne Leichtigkeit im Aus-druck und gefällige Anmuth sind 2 ). Sie bieten uns manchen Einblickin die Zustände der Zeit, und das umfangreichste darunter, überdie Bischöfe der Kirche zu York, reich an schönen Stellen und be-lebt durch die warme Liebe zur Heimath, gewährt mannigfacheBelehrung über die Stiftschule zu York und Alcuins Leben vorseiner Berufung nach Frankreich 3 ). Seine übrige schriftstellerischeThätigkeit dagegen war mehr auf Theologie, Philosophie*) und Gram-matik 5 ) gerichtet als auf Geschichte. Sein lateinischer Stil, dernoch sehr fehlerhaft ist und von seinen eigenen Schülern baldübertroffen wurde, fand bei seinen Zeitgenossen hohe Bewunderung;
') Neue Ausgabe Bibl. VI, 132 ff. Vgl. Sickel, Hist. Zeitschr. XXXII,355—365, u. Alcuinstudien I, Wiener SB. LXXIX, 461 ff. Ein Facs. ausHarl. 208 in Thompson's Catal. of ancient Lat. mss. (1884) pl. 51, Beschr.S. 86; S. 87 von Reg. 8. E. XV. Einen Brief über Felix, vermuthlioh anTheodulf gerichtet, hat Loewenfeld gefunden und Bibl. de l'Ecole desChartes XLII herausgegeben (s. NA. VII, 242). — Dümmler, Alchvin-studieD, Berl. SB. 1891, S. 495—523 als Vorbereitung der neuen Ausgabe.
-) Ausg. von Dümmler, Poet. Lat. I, 160—351, cf. II, 690—693. DieS. 692 nachgetragenen sind aber von Prosper, s. Manitius. NA. XI, 553;von dems. ib. S. 558 Anklänge in Alcuins Gedichten. Vgl. Traube, Karol.Dichtungen, S. 47—51, 61—110. A. Largeault, Inscriptions metr. com-posees par et pour les monasteres de St. Hilaire de Poitiers et de Nouaille(Poitiers, Guillois 1885); darüber u. dazu Traube, NA. XIX, 447. J. B. deRossi: L'inscription du tombeau, d'Hadrien I (von Alcuin) Extr. des Mol.d'archeol. et d'hist. publ. par l'Ecole franc. de Rome, 1888, mit Berichti-gungen zu A.'s Gedichten. Vgl. NA. XIV, 447.
3 ) Bibl. VI, 80—131: Poet. Lat. I, 169—206.
*) Vgl. Prantl, Gesch. d. Logik II, 14-17.
ä ) Jos. Zechmeister: Scholia Vindobonensia ad Horatii Artem, Vind.1877, glaubt diese Alcuin oder seiner Schule zuschreiben zu können, aberder Stil erscheint mir sehr verschieden. S. 15, 23 1. colantes culiees, nichtvolantes.