Fremde Gelehrte. 153
die ganze Beschäftigung mit der lateinischen Litteratur verstandenwurde. In Freundschaft mit Paulus wechselte er scherzhafte Versemit ihm, und Karl selbst genofs seinen Unterricht und bedientesich seiner, wenn er an diesem poetischen Verkehr theilnahm.Aus Spanien flüchtig, wie es scheint, kam Theodulf zu Karl,dessen geistreiche und formgewandte Dichtungen das lebhaftesteBild von Karls Hof gewähren, während er als Staatsmann undBischof von Orleans eine bedeutende Wirksamkeit entfaltete. SeinGedicht an Karl nach dem Sieg über die Avaren 796 gewährt unsdie eingehendste Schilderung des Hofes 1 ), während das lange undausführliche Gedicht an die Richter 2 ) für die Zustände der Zeit uu-gemein lehrreich ist, und sein Capitulare 3 ) die Ermahnungen undVorschriften für die Geistlichkeit seines Spreugels enthält, welcheuns die reformatorischen Bestrebungen dieser Zeit zeigen. UnterLudwig in Ungnade gefallen und der Theilnahme an BernhardsAufstand beschuldigt, verlor er sein Bisthum und ist um 821 ge-storben.
Eine etwas sagenhafte Nachricht über Computisten und Gram-matiker, welche Karl aus Rom in sein Reich berief, giebt Ademarvon Chabanne (SS. IV, 118). Schotten aus Irland hat er, wennwir dem Mönch von St. Gallen glauben dürfen, schon früher an sichgezogen 4 ); hervorragend unter ihnen istDungal, der unter Waldo'sObhut zu Saint-Denis lebte, und 810 an den Kaiser über dieSonnenfinsternifs dieses Jahres schrieb, vielleicht derselbe, welcher825 in Pavia lehrte und 827 gegen Claudius schrieb 5 ); einer vonihnen lebte am Hofe in heftiger Feindschaft mit Theodulf und An-gilbert. Joseph, schon in England Alcuins Schüler und mit
! ) Dümmler, Poet. I, 483; II, 694—697. Ich begnüge mich jetzt, aufdiese so lange schmerzlich vermifste neue Ausgabe seiner Gedichte, mitdem Vorwort, zu verweisen, S. 437—581; ein Nachtrag NA. VII, 401. -Vgl. Ebert II, 70—84, Traube, Karol. Dichtungen (1888) S. 66. 67. DoRossi bemerkt, dafs 1, 557 das Epit. Damasi papae, von ihm selbst ver-fafst, irrthümlich unter Th's Gedichte gerathen ist. (NA. XI, 213). An-klänge an ältere Dichter bei ihm, Manitius, NA. XI, 561. Ein franz. Werkvon Cuissard über ihn war mir nicht zugänglich.
2 ) Poet. I, 493. Neue Ausg. v. H. Hagen in einem Berner Univ.-Progr.v. 1882, vgl. NA. VIII, 422.
3 ) Theodulfi Opera ed. Sirmond, p. 1—28.
J ) Cap. 1. Ueber Donat, 816 Bischof von Fiesole, nachdem er vor-her als Lehrer gewirkt hatte, s. Ozanam, Documents inedits p. 48—57.Seine Vita vollständig Acta SS. Oct. IX, 655—662.
5 ) Ueber ihn und den Bibernkvs exul, welcher ein leider sehr frag-mentarisch erhaltenes Gedicht auf Tassilo's Abfall an Karl richtete, s.Dümmler, NA. IV, 142. 254—256; Poet. I, 393-413. II, 664. Traube,„0 Roma nobilis" (Abh. d. Münch. Ak. I Cl. XIX, 2, S. 332—337).