152 H- Karolinger. § 4. Karl der Grofse.
geordneter äufserlicher Verhältnisse und einer neu gekräftigten, vonsittlichem Eifer erfüllten Kirche war bereits vorhanden, und aufdiesem Boden gediehen die Pflanzungen Karls mit dem überraschend-sten Erfolge.
Schon regte sichs auch im Frankenreich. Adam, HaynhardsSohn aus dem weinreichen Elsafs, Abt von Masmünster, copirte780 zu Worms des alten Grammatikers Diomedes Werk de orationeet partibus orationis, und widmete es dem Könige in Versen, diemetrisch freilich mangelhaft, übrigens aber leidlich sind 1 ). Im fol-genden Jahre 781, als Karl das Osterfest in Rom feierte, und PabstHadrian seinen Sohn Pippin aus der Taufe hob, begann Godesscalcjenes Wunderwerk der Kalligraphie, das auf Purpurpergament mitUncialschrift ganz in Gold und Silber geschriebene Evangeliarium,welches Karl und Hildegard zum dauernden Andenken dieser Feieranfertigen liefsen. Providus ac sapiens, Studiosus in arte librorumheifst Karl in den Versen, durch welche Godesscalc seinen Namenverewigt hat 2 ).
In diesem denkwürdigen Jahre traf auch Karl in Parma mitAlcuin zusammen, den er schon früher als Boten des Yorker Erz-bischofs kennen gelernt hatte, und veranlafste ihn an seinen Hofzu kommen; von demselben Heereszuge brachte er Paulus Dia-conus und den Grammatiker Peter von Pisa mit nach Frank-reich 3 ); er lehrte am Hofe Grammatik, unter welcher Bezeichnung
nach dem folgenden italienischen Feldzug 787 nach. lieber die Zusendun-gen von Werken Gregors I durch Hadrian zu kirchlichem Zweck, aberdoch auch litterarisch anregend, s. P. Ewald im NA. III, 440.
: ) Keil, Grammatici Latini I, p. XXIX; Delisle, Cabinet des Manu-scrits I, 3. Dümmler, NA. IV, 147;Poetae I, 93. Erst 30 Jahre alt, hatteer durch Karls Güte die Abtei Masmünster (Masunuilare) erhalten, dochwohl zur Belohnung und Förderung seiner Studien. ,
2 ) Früher in Saint-Sernin de Toulouse, jetzt Bibl. Nat. s. Bibl. de l'Ecoledes Chartes XXXV, 85. Die Gemälde sind nach antiken Mustern, dieKandverzierungen jedes Blattes theils ebenfalls römischen, theils irisch-englischen Ursprungs. Vgl. Piper, Karls des Grofsen Kalendarium S. 36.Bastard, pl. 81—86. Dümmler, Poet. I, 94. Benutzung der Schreiberverseder Mensuratio orbis nachgewiesen von Traube, Mönch. SB. 1891, S. 406.
3 ) Diesen Petrus hörte Alcuin schon vor Karls Zeit in Pavia mit einemJudou disputiren: „Idem Petrus fuit qui in palatio vestro grammaticamdocens claruit." Ale. ep. ap. Jafle, Bibl. VI, 548; cf: Einh. V, Caroli c. 25.Damals (799) war er schon todt. Gedichte von Angilbert u. Karl an ihnnach seiner Heimkehr nach Italien hat Dümmler herausgegeben, Zeitschr.f. D. Alt. XVII, 141. 146; Poet, I, 75. 76. Wohl von ihm ist die lat.Grammatik eines Petrus Grammaticus bei H. Hagen, Anecdota Helvetica(Suppl. ad Keilii Gramm, lat.) S. 159-171. vgl. XCVI—XCVIII; Dümmler,Poet. I, 73. Seine Gedichte sind bei Dümmler S. 48—56 mit denen desPaulus Diac. verbunden, vgl. S. 29.