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1 (1893)
Entstehung
Seite
140
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140 n. Karolinger. § 3. Annalen.

griffen 1 ), und namentlich behauptet, dafs man, was in den sog.Königsannalen steht, im Kloster Lorsch recht gut in Erfahrung brin-gen konnte. Ich gebe das gerne zu, kann mir aber nicht vorstellen,dafs schon im achten Jahrhundert der Sinn der Mönche in so hohemGrade den weltlichen Dingen zugewandt war, was doch auch späternur ausnahmsweise der Fall gewesen ist. Nur für wenige Klösterhatten die jährlichen Feldzüge ein unmittelbares Interesse.

Es hatte nun wohl den Anschein, als ob man die allmählicheEntstehung der geschichtlichen Ueberlieferung aus den unschein-barsten Anfängen, die Verbindung verschiedener Aufzeichnungen undihre nun schon besser gelungene Fortführung deutlich vor Augenhabe; man glaubte eben jene ersten Anfänge in ursprünglicher Ge-stalt zu besitzen, und bezweifelte, dafs es in jener Zeit des wenigfederfertigen achten Jahrhunderts viel mehr und bessere Aufzeich-nungen gegeben habe, als uns noch jetzt vorliegen. Allein die fort-gesetzte Beschäftigung mit diesen Annalen zeigt in so hohem GradeUebereiustimmung derselben in vielen Notizen, während doch andereSätze sich nur in dem einen Exemplar, zugleich jedoch in anderenganz entlegenen Annalen finden, auch Spuren alter guter Ueber-lieferung, die plötzlich in jüngeren Compilationen auftauchen, dafshier, wie in manchen Fällen aus späterer Zeit, kein anderer Auswegmöglich zu bleiben scheint, als die Annahme verlorener Aufzeich-nungen, aus welchen nur Excerpte uns vorliegen; wir besitzennur Bruchstücke einer einst vorhanden gewesenen reicheren Litte-ratur, die wir uns aber doch hüten müssen, uns zu bedeutend vor-zustellen. Grofse Vorsicht ist hier nothwendig, und eben dieseVorsicht vermisse ich bei Is. Bernays 2 ), dessen Zusammenstellungenhäufig gerade den entgegengesetzten Eindruck machen, indem nurdie notorischen Thatsachen übereinstimmen, im Ausdruck aber diegröfstmögliche Verschiedenheit geradezu aufgesucht sein müfste.Weit vorsichtiger dagegen ist R. Arnold 3 ) verfahren, und dochscheint auch dessen Annahme von Hofannalen von 771 oder 772 aneine unbegründete zu sein, indem ihr von Waitz 4 ) die erheblichsten

') Hist. Zeitschr. XLII, 265. Kleine hist. Schriften III, 1 ff.

2 ) Zur Kritik Karolingiscber Annalen, Strafsb. 1883. In einem dadurchveranlafsten Aufsatz HZ. LIV (1885) S. 55 — 70 bestreitet G. Kaufmannüberhaupt den Nutzen solcher Untersuchungen und die Möglichkeit ge-sicherter Erfolge.

3 ) Beiträge zur Kritik Karolingischer Annalen, Diss. Lips. 1878. FürHofannalen von 785—803 ist E. Seraphim eingetreten. QuellenkritischeUntersuchungen der kleineren Karol. Annalen. Progr. d. livländ. Landes-gymn. Fellin 1887.

4 ) Neues Archiv V, 497 ff.