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1 (1893)
Entstehung
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128
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128 II- Karolinger. § 1. Fredegars Fortsetzer.

So wie das ganze Reich von den Merowingern an die Karolingerüberging, so wurde auch die einzige Chronik der Franken zu einerFamilienchronik des karolingischen Hauses. Sie gewinnt dadurchgewissermafsen einen offiziellen Charakter und damit eine gewisseGlaubwürdigkeit; andererseits leidet sie aber auch an den Mängelnsolcher amtlicher Aufzeichnungen. Je näher die Verfasser den Ka-rolingern standen, je besser sie unterrichtet waren, um so mehrhüteten sie sich auch etwas aufzunehmen, was den Machthabernunangenehm war. Es genügt in dieser Beziehung den einen Umstandhervorzuheben, dafs die bedeutenden und gefährlichen Unruhen,welche Grifo, Karl Martels Sohn von der Swanhilde, nach des YatersTod erregte, und welche dem Verfasser doch unmöglich unbekanntgeblieben sein konnten, hier mit gänzlichem Stillschweigen über-gangen werden. Ebensowenig ist andererseits von der ganzen Wirk-samkeit des Bonifatius und überhaupt von den kirchlichen Angelegen-heiten die Rede. Eine vollständige und unparteiische Uebersicht derBegebenheiten darf man daher bei diesen Fortsetzern des Fredegarnicht suchen 1 ).

Ebenso wenig unparteiisch, zur Verherrlichung der Arnulfingergeschrieben und namentlich in den ältesten Theilen irreführend,übrigens aber aus guten Quellen geschöpft, reichhaltig auch überGrifo, ist die Geschichte von 687 bis 692, welche den Anfang derAnnales Mettenses bildet 2 ), wo bis 768 eine Compilation aus Fre-degar u. a. Annalen sich anschliefst. Früher gering geschätzt, istsie von L. Ranke nachdrücklich in Schutz genommen und ihr Werthins Licht gestellt 3 ). Es kommt hinzu, dafs das Fragmentum deJPippino duce 4 -), welches Bonnell für ein schlechtes Excerpt ausden Mettenser Annalen erklärt hatte, in dem Cod. Arunde]. 375

') Zu vergleichen ist für diese Zeit noch der Libellus de Majoribusdomus, Bouq. II, 699 aus Du Chesne SS. II, 1, der nicht vor dem neuntenJahrhundert geschrieben ist, wie B. Simson bemerkt, nahe verwandt demChron. Adonis, vielleicht ein Auszug. Ferner das von Wilthem excerpirteFragmentum historicum ex libro aureo Epternacensi über die Jahre 714 u.715, aus unbekannter Quelle, herausgegeben von Reiffenberg im Bulletinde lAcademie de Bruxelles (1843) X, 2, 264, und Monuments de Namuretc. VII, 209; jetzt MG. SS. XXIII, 59. Räthselhaft ist der Dionystus, wel-chen Gobelinus Persona als Chronisten von Prosper bis Einhard (455741)anführt, vgl. Hagemann: Ueber die Quellen des G. P. (Diss. Hai. 1874)S. 32. Er ist aber nicht zusammenzubringen mit der Erwähnung der Cyclendes Dionysius Exiguus bei Regino z. J. 741, wo er nur von der Incon-gruenz der verschiedenen Berechnungen spricht; allerdings scheint er inseinem Exemplar eine annalistische Bemerkung zu 741 gehabt zu haben.

2 ) MG. SS. I, 316321.

3 ) Weltgesch. V, 2, S. 294 ff.

4 ) Freher, Corpus SS. Franc, p. 168170; am Schluss unvollständig.