Columban. Gallus. 119
■weiht hatte. Jonas verräth seine italische Herkunft und den Unter-richt der Grammatiker durch seine unerträglich schwülstige Schreib-art, aber er hat uns aufserordentlich schätzbare Nachrichten auf-bewahrt. Auf den "Wunsch der Königin Balthilde ist er, der in-zwischen irgendwo Abt geworden war, auch nach Chalon-sur-Saonegekommen, und hat im Nov. 659 im Reomaenser Kloster auf Ver-langen des Abts das Leben des 540 gestorbenen Gründers desKlosters Johannes beschrieben 1 ).
Einer von jenen ursprünglichen zwölf Gefährten, die mit Co-lumban von Bangor auszogen, war Gallus, in älterer Form Callo,Gallunus, der in Alamannien zurückblieb, als sein Meister über dieAlpen zog, und zuerst die Bekämpfung des Heidenthums am Boden-see fortsetzte, später aber als Einsiedler in das wildeste Gebirgesich zurückzog, wo er um die Mitte des siebenten Jahrhundertsgestorben ist. Als dann nach seinem Tode das Grab des Heiligenimmer häufiger von irischen Pilgern aufgesucht wurde und immermehrere von ihnen, sowie auch von den Alamannen, sich hierniederliefsen, erwuchs aus dem unscheinbarsten Anfang das KlosterSt. Gallen, und so wie die kleine Zelle des Gottesmannes der Kernund Anfang dieser reichen Stiftung ist, so schlofs sich in gleicherWeise an die Lebensbeschreibung des Stifters 2 ) die später so be-deutende Litteratur von St. Gallen. In ihrer ursprünglichen Formist uns diese aber nicht erhalten; sie war nach einer alten Aufzeich-nung a Scotis semilatinis corruplius scripta, und enthielt nach Walah-frids Zeugnifs häufig die Form Altimannia, welche in der uns er-haltenen ältesten nicht vorkommt 3 ). Der Verfasser dieser Biographiewar ein Alamanne, welcher die alte barbarisch geschriebene über-arbeitet hat; sein Name ist uns aber erst jetzt bekannt geworden 4 ),
: ) Vita S. Johannis Reomensis. Nach Fr. Stöber, Wiener SB. CIX,319—398 ist es die unvollständig erhaltene des cod. Fossatensis, die an-deren Versionen jüngere Bearbeitungen. Das. S. 330 (gegen A. Jahn) derNachweis, dass die V. Romani abb. Jur. keine Fälschung, sondern echtund alt ist.
2 ) MG. SS. II, 1—21 von Ild. v. Arx nach der von ihm wieder aufge-fundenen Handschrift zuerst herausgegeben. Daraus Acta SS. Oct. VII, 860.Vgl. Stalins Wirt. Gesch. II, 167, Kettberg II, 40. Uebersetzung von Pott-hast, Geschichtschr. 12 (VIII, 1) 1888. Neue Ausg. von G. Meyer v. KnoDau,in den Mitth. z. vaterl. Gesch. (S. Gallen 1870) XII, 1—61. Nach einemälteren Irrthum von Arx ist S. 16 die Feldflasche aicopa mit der Reliquien-capsel verwechselt. Der metr. Prolog bei Dümmler, Poet. Carol. II, 476,cf. 701.
3 ) S. Weidmann, Gesch. d. Stiftsbibl. S. 485. Gust. Scherer, Verzeich-nifs der Handschriften S. 172—175.
4 ) Schon Jodocus Metzler vermuthete ihn, doch ohne einen Beweis da-für zu geben; vgl. auch Mab. Anal. IV, 640.