Druckschrift 
1 (1893)
Entstehung
Seite
52
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52 ! Vorzeit. § 3. Anfänge und Gattungen.

beschränkte sich immer mehr auf Auszüge aus den älteren Werken.Hieran konnte sich natürlich keine weitere Entwickelung anknüpfen.Den vorhandenen Stoff, wie ihn besonders Eutropius zubereitet hatte,fafste zuletzt noch einmal Paulus Diaconus in seiner römischenGeschichte zusammen, und machte ihn durch Verschmelzung mitder Kirchengeschichte für seine Zeit brauchbarer. So ging er indas Mittelalter hinüber, und bildete hier die Grundlage aller Kennt-nifs der römischen Welt. Aber ungeachtet der christlichen Zusätzeund Fortsetzungen blieb doch dieses Werk nur eine todte Masse;die lebendige neue Entwickelung schlofs sich an die christliche Ge-schichtschreibung, welche sich für die veränderte Auffassung undandere Bedürfnisse auch neue Formen erschuf.

Die römische Weltgeschichte konnte den Christen unmöglichgenügen, die eigene Geschichte der römischen Republik sie nurwenig anziehen. Ihnen war das Wesentliche in der Weltgeschichtedie Geschichte des Reiches Gottes, der Mittelpunkt lag ihnen inder jüdischen Geschichte, und davon meldeten die Werke der Römernichts. Daher fand auch des Königs Desiderius Tochter Adelpergaden Eutrop, welchen Paulus Diaconus ihr zu lesen gegeben, so un-genügend, und einige Zusätze konnten hier nichts helfen; es mufsteeine ganz neue Weltgeschichte aufgestellt werden, die mit dem ver-änderten Standpunkte im Einklang war, die namentlich auch dashohe Alter der jüdischen Cultur, die spätere Entstehung der heid-nischen Staaten nachwies. Um dieses möglich zu machen, kam esvor allem darauf an, das chronologische Verhältnifs der heiligenund profanen Geschichte zu bestimmen, um dann eine Verschmel-zung der beiderseitigen Nachrichten vornehmen zu können. DieseAufgabe löste, nach dem Vorgange des Sextus Julius Africanus,welcher zuerst den Versuch machte, chronologisch das gesammteAlterthum mit der Bibel zu vereinigen 1 ), Eusebius (264340);seine zwei Bücher Allgemeiner Geschichte enthielten zuerst in dar-stellender Form die Chronographie, dann tabellarisch den synchro-nistischen Kanon bis 325. Auf diesem grofsen Werke beruhen allespäteren Weltchroniken, der Byzantiner sowohl wie des Abendlandes,während zugleich aus seiner Kirchengeschichte das Mittelalter alleseine Kenntnifs von den Anfängen der christlichen Kirche schöpfte.Dieses letzere Werk hatte für die Lateiner Rufinus bearbeitet und

') Dr. Conr. Trieber, Die Chronologie des Julius Africanus, 1879: vgl.Gott. Nachr. 1880, Nr. 1. H. Geizer, S. Jul. Afr. u. die Byzant. Chronologie,Leipz. 1880.