Druckschrift 
1 (1893)
Entstehung
Seite
48
Einzelbild herunterladen
 

48 I. Vorwort. § 2. S. Severin.

und Odovacars Feldzug gegen sie mehrten die Bedrängnifs der Römer,bis endlich sechs Jahre nach Severins Tod Odovacar die ganze rö-mische Bevölkerung aus Noricum abrief und ihr in Italien Landanwies. Dadurch erklärt es sich, dafs gerade hier von den altenund einst so bedeutenden Römerstädten fast jede Spur verschwand,und nur schwache Reste einer unterwürfigen romanischen Bevölkerungin den Gebirgen zurückblieben. Damals scheint auch der heiligeAntonius Noricum verlassen zu haben; er war aus Pannonien zuSeverin noch kurz vor dessen Tode gekommen, wie Ennodius in derLebensbeschreibung des Antonius berichtet 1 ).

Severins Mönche folgten mit Freuden dem Rufe, welcher sieaus der Knechtschaft erlöste; der Anordnung ihres Meisters gemäfsführten sie dessen Leiche mit sich bis nach Neapel, wo sie endlichRuhe fanden. Hier richtete ihnen eine vornehme Frau, NamensBarbaria, ein Kloster ein im Castellum LucuUanum, dessen Namenoch das Andenken der üppigen Gärten Luculis bewahrte; ebendawar kurz zuvor auch dem letzten römischen Kaiser sein Aufenthaltangewiesen worden 2 ).

In diesem Kloster nun war Eugippius 3 ) Abt, ein Schüler Se-verins, der nach Cassiodors Zeugnifs von weltlicher Gelehrsamkeitnicht gar viel wufste, aber in den heiligen Schriften wohl belesenwar 4 ), der Verfasser eines Auszuges aus den Schriften des heiligenAugustin 5 ). Mit bedeutenden Kirchenschriftstellern der Zeit stander im Briefwechsel. Diesen Eugippius nun forderte ein ungenannterLaie auf, ihm Materialien zu einer Lebensbeschreibung Severins zugeben; er zeichnete darauf auch wirklich seine Erinnerungen auf,sandte dieselben aber (511) nicht an jenen Laien, denn das erschienihm unpassend, sondern an den gelehrten Diaconus Paschasius,mit der Bitte, sie zu einer förmlichen Lebensbeschreibung zu ver-arbeiten. Zugleich sandte er ihm in dem Boten einen Mann, der

') Vita S. Antonii Lirinensis, in den verschiedenen Ausgaben der Werkedes Eünodius, v. Fr. Vogel Auett. ant. VII, 185190.

") Nach Caravita, I^codici e le arti a Monte Cassino I, 14 auf demPizzofalcone bei, jetzt in Neapel.

3 ) Andere Formen, mit guter handschriftl. Beglaubigung sind Eugipiusund Eugepius.

4 ) Divin. Lectionum c. 23: quem nos quoque vidimus, virum quidemnon usque adeo saecularibus literis eruditum, sed scripturarum divinarumlectione plenissimnm. Ein dogmatisches Sendschreiben an ihn von Fer-randus aus d. J. 533 bei A. Mai, Nova Coli. III, 2, 168184; ein anderesmit Uebersendung einer Glocke für das Kloster, bei Reifferscheid in Ind.lectt. Vrat. 1871 72 S. 6. Vgl. Büdinger, Eugipius, Wiener SB. XCI,793-814.

5 ) Sehr gerühmt von Notker, bei Dümmler, Formelbuch Salomons III,S. 65. Ausg. v. Knöll im Wiener Corpus VIII, 1.