Druckschrift 
1 (1893)
Entstehung
Seite
26
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26 Einleitung. § 4.

einführen, und denen wir gröfstentheils das Fleisch und Blut zudem chronologischen Gerüste der Annalen verdanken.

Es versteht sich von selbst, dafs diese Gattungen durch keinescharfe Grenzen gesondert sind, und manches Stück so sehr in derMitte steht, dafs es nur nach zufälligen Umständen hier oder dortseine Stelle findet.

Innerhalb dieser Kategorieen ist die Anordnung wiederum chro-nologisch, nach dem Endjahr, doch wird dieser Grundsatz nichtpedantisch durchgeführt, sondern durch mancherlei Rücksichten be-einträchtigt. Nicht nur wird nachträglich mitgetheilt, was währendder Arbeit neu entdeckt wird, sondern es bleibt auch oft das gleich-artige zusammen. Namentlich wird die Fortsetzung nicht vomHauptwerk getrennt, wenn sie nicht ganz selbständiger Art ist. Sosind die Casus S. Galli bis 1233 beisammen geblieben, und Sigebertmit seinen Fortsetzern, so auch Cosmas und die österreichischenwie die schwäbischen Annalen.

Dom Bouquet und seine ersten Fortsetzer haben das entgegen-gesetzte Princip verfolgt. Sie gaben zu jeder Periode alles daraufbezügliche aus allen Schriftstellern, wodurch scheinbar ein grofserVortheil für den Geschichtschreiber erreicht wird, da er seinenganzen Stoff übersichtlich vor Augen hat. Dagegen aber wird esihm aufserordentlich schwer, ein kritisches Urtheil über die Quellenzu gewinnen, weil er sie nirgends vollständig beisammen hat; unddoch kommt bei der geschichtlichen Forschung gerade darauf soviel an: es ist wenig damit gewonnen, die Worte einer historischenNachricht zu haben, wenn man nicht weifs, wie viel Glauben derSchriftsteller verdient, und wie die ganze Art und Weise seiner Auf-fassung und Darstellung beschaffen ist.

Während nun bei Bouquet z. B. der Sigebert in viele Bändevertheilt ist, bleibt in den Mon. Germ, jeder Schriftsteller so vielwie möglich in seiner Integrität; man hat auch nicht, wie Stenzelfrüher vorschlug, dasjenige weggelassen, was der Verfasser nur ausanderen bekannten Quellen entlehnt hat; sondern man hat es we-nigstens bei den bedeutenderen Schriftstellern vorgezogen, diese Theilenur durch kleineren Druck kenntlich zu machen, weil es für unsauch von Wichtigkeit ist zu wissen, wie die Schriftsteller der Zeitdie Vergangenheit behandelten, aus welchen abgeleiteten Quellen dieFolgezeit ihre Kenntnifs schöpfte, und wie auf diese Weise dieKunde der Geschichte allmählich verengt und entstellt wurde. Sohat z. B. die Chronik des Martin von Troppau fast gar keinen eige-nen Werth, aber sein Compendium der Pabst- und Kaiserges'chichte