24 Einleitung. § 4.
Schäften eine neue Organisation ins Leben gerufen. Die Leitungdes ganzen Unternehmens hat jetzt eine Centraldirection, deren Vor-sitzender bis an seinen Tod G. Waitz -war, jetzt E. Dümmler; dieeinzelnen Abtheilungen sind besonderen Leitern selbständig über-geben. Waitz selbst übernahm die Scriptores und provisorisch dieLeges, Th. Mommsen die 'Auetores antiquissimi' der Uebergangs-zeit als eigene Abtheilung, Sickel die Diplomata, Wattenbach dieBriefe, Dümmler die Antiquitates. Als beschlossen war, auch dieConcilien der Merowingerzeit aufzunehmen, übernahm Maafsen dieVorbereitung der Ausgabe. Für solche Serien, welche neu begonnenwerden, ist ein bequemeres Quartformat eingeführt. Als Fortsetzungdes Archivs der Gesellschaft erscheint das Neue Archiv, vonwelchem jährlich ein Band ausgegeben wird; dasselbe beginnt miteinem Bericht über die Neugestaltung der Direction und bringtregelmäfsig Berichte über die jährlichen Versammlungen der Central-direction und den Stand der Arbeiten.
Von dem Deutschen Reich und Oesterreich sind bedeutendeGeldmittel bewilligt, welche eine gesteigerte Betreibung der Arbeitendurch zahlreiche Gelehrte ermöglichen.
Werfen wir nun einen Blick auf die Art der Ausführung, sotreten uns besonders zwei Hauptprincipien entgegen, welche im Ver-gleich mit den älteren Sammlungen einen bedeutenden Fortschrittbezeugen: die genaue Wortkritik und die strenge Sichtung desInhalts mit Bezug auf die Herkunft und Glaubwürdigkeit der Nach-richten.
Zum ersten Male sind hier die mittelalterlichen Schriftsteller miteiner Genauigkeit behandelt, wie sie früher nur classischen Autorenzugewandt wurde. Von Anfang an wurde der Grundsatz aufgestelltund in der Regel auch befolgt, für jeden Schriftsteller alle erreich-baren handschriftlichen Hülfsmittel zusammenzubringen, ohne Rück-sicht auf frühere Drucke nur die beste Handschrift zu Grunde zulegen, und durch Vergleichung der übrigen die möglichste Reinheitund Sicherheit des Textes zu erstreben.
Wenn auch durch frühere Sorglosigkeit, durch die Verwüstungender Bauernkriege und die stürmischen Zeiten am Ende des vorigenJahrhunderts viel zu Grunde gegangen ist, so hat sich doch, wiedie unternommenen Reisen nach und nach ergaben, mehr erhalten,als man irgend erwartet hatte. Und wenn auch jetzt manche Hand-schrift vermisst wird, welche den Maurinern noch vorlag, so bietetdagegen unsere Zeit den Vortheil, dafs fast alle Bibliotheken undArchive der wissenschaftlichen Forschung zugänglich sind, während