Ausgaben der Protestanten. 7
bürg, Erzbischof von Magdeburg, gerichteten Widmung des von ihm1558 für die Schulen bearbeiteten Chronicon Carionis 1 ). Schon1525 gab Caspar Churrer in Tübingen die Chronik Lambertsnach einer Abschrift heraus, welche Melanchthon ihm geschickthatte, und 1556 begleitete dieser Siegmund Schorkels Ausgabedes Helmold mit einem Brief an den Herzog von Stettin.
In Basel, wo schon 1529 Sichardus die Chroniken des Hierony-rnus, Prosper, Cassiodor, Hermannus Contractus mit einer "Widmungan den Cardinal Albrecht von Brandenburg herausgegeben hatte, be-sorgten die Buchhändler Heerwagen, die auch Melanchthons Ver-leger waren, 1531 eine Sammlung, welche den Prokop, Agathiasund Jordanis enthält, mit einer Vorrede von Beatus Rhenanus ausSchlettstadt. Dieser hatte auch zum Otto von Freising das Titelblattentworfen und ist dadurch zu dem unverdienten Ruhme gekommen,als ob er der erste Herausgeber deutscher Geschichtsquellen gewesenwäre. Die Handschriften aber zu jener Sammlung hatte ConradPeutinger aus Augsburg geschickt 2 ).
Im Jahre 1532 erschien in demselben Verlage eine zweite Samm-lung, welche den Widukind, Einhard und Liudprand enthält, heraus-gegeben von dem Professor Martin Frecht zu Tübingen.
Es würde uns zu weit führen, wenn wir fortfahren wollten, dieAusgaben des sechzehnten Jahrhunderts aufzuzählen, denn ihre Zahlist nicht gering; besonders die Wechelsche Buchhandlung inFrankfurt verlegte eine ganze Reihe von Sammlungen dieser Art.Unsere Absicht war nur, zu zeigen, mit welchem Eifer man damalsbestrebt war, die echten Quellen der Geschichte wieder ans Lichtzu ziehen; mit richtiger Auswahl wurden die besten derselben zuerstherausgegeben und mit derselben Sorgfalt behandelt, welche dieersten Ausgaben der alten Classiker auszeichnet. Es war ein treff-licher Anfang gemacht, hinter dem der gröfste Theil der späteren
J ) Zuletzt bei Bretschneider, Corpus Reformatorum XII, 707. Vgl. G.D. Hoffmann, Abhandlung von Philipp Melanchthons Verdiensten um dieteutsche Reichs- und Staatsgeschichte, Tübingen 1760. Schon 1532 schreibter: Misit Carion ad me farraginem quandam negligentius coacervatam,quae a me disposita est. Ueber Carions Leben und Schriften StrobelsMiscell. Lit. Inhalt, 6. Samml. S. 139 ff. A. Stern in d. Allg. D. Biogr. HI,781. Dafs Melanchthon auch die Ausgabe des Nauclerus 1516 besorgthabe, bestreiten Herrn. Müller, Forsch. XXIII, 595, u. M. Spiefs ib. XXVI,138 —140: Winsheim verwechselte in seiner GedächtnifsredeCarion u.Nauclerus.
2 ) Ueber B. Rhenanus s. A. Horawitz in d. Wiener SB. LXX, 189 bis244. LXXII, 323 — 376. LXXVIII, 313 — 340. Horawitz u. Hartfelder,Briefwechsel des B. Rh. Leipz. 1886. Geny u. Knod, Die Stadtbibl. zuSchlettstadt, 1889.