Fälschungen. 495
müssen nach der neuen Untersuchung von F. Philippi in d. Mitth. d. Inst.XIV, 470-480.
Aus dem zwölften Jahrhundert finden sich zwei untergeschobeneSchriftsteller angeführt bei Gewold de septemviratu (Ingoist. 1616), nämlichWelbertus, Conradi II capellanus, de electione Lotharii, und Amandus,Friderici I secretarius, de primis actis a Friderico in imperio peractis,s. Homeyers Sachsenspiegel II, 2, 19; Wattenbach, Iter Austriacum, imArch. d. Wiener Ak. XIV, 6. Dafs auch Gundling sich auf erdichtete Actenberufen habe, hat Altmann in seiner Untersuchung über die Wahl Albrechts IInachgewiesen.
Durch eine Fülle von Fälschungen zeichnet sich Böhmen aus. Schonim 12. Jahrhundert nach Holder - Egger (SS. XV, 1, 572) gefälscht istChristanni Vita S. Wenceslai, angeblich von einem Sohne Boleslaws Igeschrieben, s. Dobrowski, Kritische Versuche, die ältere böhmische Ge-schichte von späteren Erdichtungen zu reinigen I — III, in den Abhand-lungen der kön. Ges. d. Wiss. I, II u. VI, 1803. 1807. 1819. Neuer Ab-druck in den Fontes Ilerum Bohemicarum I, 199—227. H. Friedjung(Kaiser Karl IV und sein Antheil am geistigen Leben seiner Zeit, Wien1876, S. 161) scheint mir der Naivetät des Mittelalters doch gar zu vielzuzumuthen, weun er auch darin keinen Betrug anerkennen will. NeuererZeit gehören u.a. das Gericht der Libussa (Libusin Saud), jetzt dieGrüneberger Handschrift genannt, und die Gedichte der KöniginhoferHandschrift, welche schon von Kopitar, Heyschii Glossographi discipulusRussus p. 58, und Prolegomena in Miklosich, Slav. Bibl. I, 68, für Nach-ahmungen serbischer Lieder erklärt wurden, die aber trotzdem viel benutztsind, und deren Echtheit sammt dem ganzen übrigen Wust, noch langeeifrigst vertheidigt wurde. Da sie jedoch jetzt von den Tschechen selbstaufgegeben werden, verzichte ich auf Anführung der übermäfsig angewach-senen Litteratur und begnüge mich zu verweisen auf AI. Schembera (DieKöniginhofer Hs. als eine Fälschung nachgewiesen, Wien 1882 böhmisch),der Swoboda und Hanka als Urheber nachweist, s. den Bericht vonMaresch, Mitth. d. Inst. I, 160—166; II, 306. Pypin und Spasowitsch,Gesch. d. slav. Litteratur, übersetzt von Pech, II, 2 (1884). Jagic imArch. f. Slav. Philologie 1886. Hist. Zts. LVIII, 162 über eine Schriftv. Jaroslav Goll; Gebauer, Unechtheit der Königinhofer u. GrünebergerHs. im Arch. f. Slav. Philol. X u. XI, wird, nebst Goll, besonders hervor-gehoben in dem ausführlichen Bericht von Truhlaf, Mitth. d. Inst. IX, 369bis 401.
Auch Mähren hat seinen Fälscher an Boczek, dem Erfinder desHildegardus Gradicensis. Dieser Hildegard soll ein Chronist desKlosters Hradisch im zwölften Jahrhundert gewesen sein, und im Cod. dipl.Moraviae führt Boczek Stücke seiner Annalen an; vgl. darüber Arch. X,439. B. Dudik, Mährens Geschichte, IV, 168, verwirft den Hildegardebenfalls, sammt den Urkunden der sogenannten Monse'schen Frag-mente. Ueber jenen handelt ausführlich Joh. Kroger, Gesch. Böhmens