BEILAGE.
Alte und neue Fälschungen.
Unter den Geschichtsquellen des Mittelalters sind viele fabelhaft undunglaubwürdig; die Geschichte von der Uebertragung des h. Dionysius vonParis nach Regensburg beruht auf absichtlicher, höchst unverschämterLüge: aber zu unterscheiden sind davon diejenigen Schriften, welche einemanderen Verfasser, einer ganz anderen Zeit, betrügerisch zugewiesen wer-den. Urkunden solcher Art sind in grofser Menge vorhanden, auch ziem-lich viele Briefe. Bei diesen aber sind es häufig nur Schulübungen ohnebetrügerische Absicht, welche irre geführt haben. Wir stellen hier nur dieuntergeschobenen Schriftsteller zusammen.
Berüchtigt als Fälscher aus gelehrter Eitelkeit ist der spanische JesuitGeronimo Roman de la Higuera, dessen Hauptthätigkeit in das letzte Jahr-zehnt des 16. Jahrhunderts fällt. Aufser falschen oder veränderten In-schriften verfafste er auch Chroniken, die er angeblich aus Fulda erhaltenhaben wollte: Chronicon Dextrl von 1—430, mit der Fortsetzung desMaximus, Bischofs von Saragossa, von 468 bis 644, und des Eutrandus,Subdiaconus von Toledo und Diaconus von Pavia, bis 668. Dieser ausTrithemius genommene Name wurde später berichtigt in Luitprandus,und eine vermehrte Ausgabe des ihm untergeschobenen Chronicon von606 bis 960, und Adversaria desselben gegeben. Diese aus HiguerasNachlafs veröffentlichten Schriften und andere Fälschungen ähnlicher Arthaben nur in Spanien einiges Unheil anzurichten vermocht. Schlimmerwirkte der aus derselben Schmiede stammende Victor Cartennensis,den Higueras eifriger Bewunderer Tomas Tomayo de Vargas in einemhandschriftlich vorhandenen Werke benutzte; hierdurch wurde er Marcusbekannt, der in seiner Histoire des Vandales (Paris 1836) Gebrauch davonmachte, und durch ihn sind daraus geschöpfte Angaben zu Papencordt,Dahn u. a. gekommen; s. darüber und über Higuera Hübner in den Monats-berichten der Berliner Akademie 1862 I, 529. Doch ist die Sache nochunklar, s. G. Waitz, Verfassungsgesch. I (2. Aufl.) S. 166 Anm. 3. 3. A. S. 231.Ueber die übrigen Fälschungen finden sich jetzt die genauesten Nachweise