IV. Die Zeit der Salier.
Von der Wahl Konrads II bis auf Heinrichs V Tod.
§ 1. Allgemeines.
JJie besten Regenten des früheren Mittelalters, Karl der Grofse wieseine Vorfahren, Heinrich I, Otto I, Konrad II, haben keine gelehrteBildung gehabt; noch waren die beiden Kreise des Lebens so ge-schieden, dass eine Vereinigung kaum möglich war, und eine Er-ziehung durch Cleriker brachte fast unvermeidlich ein solches Ueber-gewicht des geistlichen Einflusses und der kirchlichen Ideen mitsich, dafs das Reich davon Schaden litt. Doch hat Heinrich II einkräftiges Regiment geführt, so sehr er auch der Kirche ergebenwar; er brachte das fast ganz zerrüttete Reich durch unablässigeAnstrengung wieder in Ordnung, und auf dieser Grundlage bauteKonrad rüstig fort: es ist kein kleiner Ruhm für ihn, dass seinegerechte und feste Herrschaft die Zeitgenossen an Karl den Grossenerinnerte.
Um Gelehrsamkeit und Wissenschaft aber kümmerte Konradsich nicht viel; dagegen war seine burgundische Gemahlin, diekluge Gisela, der Geistlichkeit und ihren Künsten zugethan 1 ),und sie Hess auch ihren Sohn Heinrich in solcher Weise erziehen 2 ).Nach dem Bischof Bruno von Augsburg (1007—1029), KaiserHeinrichs II Bruder, übernahm Bischof Egilbert von Freising dieAufsicht über den königlichen Knaben, der unter seiner Leitungsorgfältig gebildet wurde. Als sein Lehrer wird ein italienischer
') Sie liefs sich die Werke Notkers des Deutschen von St. Gallenabschreiben, MG. SS. II, 58, IL Ekkeh. ed. Meyer v. Knonau p. LXXXVIII.Vgl. dazu Scherrers Verz. d. Stiftsbibl. S. 9.
2 ) Hierzu vgl. E. Steindorff, Jahrbb. unter Heinrich III, I (1874) S. 11 ff.Ueber die zweifelhafte Angabe der Ann. Altah. min., dafs er auf der BurgAndechs gelebt habe, S. 430. Auch E. v. Oefele in der neuen AusgabeS. IX erklärt es für einen werthlosen Zusatz Aventins.
Wattenbach, Geschichtsquellen II, 6. Anfl. \