V. Weifen und Weiblinger.
Von Heinrichs V Tod bis zur Mitte des dreizehnten Jahrhunderts.
§ 1. Allgemeines.
JJie salischen Kaiser, eine Reihe kraftvoller und willensstarkerMänner, beherrschten trotz alles Widerstrebens der Fürsten, un-geachtet ihres Zerfallcns mit der römischen Kirche, so gewaltig ihre,Zeit, dafs ihre Person den Mittelpunkt der Geschichte bildet: esgab noch eine Reichsgeschichte, oder vielmehr es hatte sich ebenvon neuem eine gebildet, die in einer Anzahl ausgezeichneter "Werkebehandelt wurde, während zugleich in jeder Specialgeschichte dieallgemeine sich abspiegelt. Der Zusammenhang mit den beidenMittelpunkten der christlichen Welt war zu keiner Zeit lebhafterals während des Investiturstreites, dessen Phasen in jedem Kirch-sprengel empfunden wurden.
Heinrich V war bald in die Fufstapfen seines Vaters getreten;nach seinem Tode kam die Opposition zum ersten Male wirklich zurHerrschaft. Anstatt der Staufer, welche allgemein als Erben undNachfolger der Heinriche betrachtet wurden, ward Lothar der Sachse,das Haupt des particulären Widerstandes, gewählt mit ausdrück-lichem und bewufstem Widerspruch gegen die erbliche Folge, welchedie kirchlichen Vorkämpfer der eignen freien Wahl wie eine Artvon Simonie betrachteten. Es war die erste grofse Niederlage desdeutschen Kaiserthums, und als man nach Lothars Tode dasselbeSpiel fortsetzte, drohte schon das ganze Reich aus den Fugen zugehen.
Da erfafste aber Friedrich I noch einmal mit starker Hand dieZügel, und diese Zeit erscheint auch in der historischen Litteraturvertreten durch Otto von Freising und seine Fortsetzer; noch Frie-drichs II erste Herrscherjahre sind durch ein neues Aufleben derReichsgeschichte bezeichnet, dann aber nimmt auch in den Ge-schichtsquellen das besondere überhand, und immer seltener er-