Fälschungen. 493
viel späterer Zeit, während doch der Schein der Gleichzeitigkeit beibehaltenist; s. P.Roth, Beneficialwesen S. 443. Von der Vita Leodegarii ist dievorgeblich zeitgenössische des Ursinus eine Verfälschung der alten Vitazu gröfserer Verherrlichung des Heiligen, nach Br. Krusch in der zweitenHälfte des achten Jahrhunderts in Saint-Maixent verfafst, NA. XVI, 563bis 596.
Betrügerisch ist die dem h. Bonifatius zugeschriebene Vita Livini,ein Machwerk des elften Jahrhunderts, welches in den Kreis der Fäl-schungen gehört, mit denen sich die Mönche von St. Bavon und Blandignybekämpften, die ich I, 386 berührt habe, über welche aber dringend an-zurathen ist, die ebenso ergötzliche wie lehrreiche Darstellung von Holder-Egger zu lesen, in den Aufsätzen zum Andenken von G. Waitz (1886)S. 623—665. — Ferner die Vita Suiberti, welche dessen GefährteMarchelm oder Marcellinus geschrieben haben soll, in "Wirklichkeiteine Fälschung, wegen welcher Bouterwek Gerhard von Harderwijk, Ort-winus Gratius und Gotfried Kessel verdächtigte. Doch hat W. Diekampnachgewiesen, dafs sie schon im Id. oder Anfang des 15. Jahrh. in Hollandverfertigt ist, Hist. Jahrb. II, 272—287.
Ueber des angeblichen Tilpin oder Turpin Fabelbuch s. oben S. 250.Einen Kanzler Ludwigs des Frommen, Gotfridus de civitate Marsilia,erfand 1494 der Schulmeister Johann Birk in Kempten als Verfasserseiner „Historia Karoli Magni et de fundatione monasterii in Campidona",vorgeblich 832 verfafst; s. B. Pez, Thes. I, p. XIII; M. Büdinger, Anfängedes Schulzwanges S. 33. Dr. Baumann hat in Birlingers Alemannia IX,186—210, X, 29—58, nicht nur eine solche Lügenchronik herausgegeben,sondern auch noch zwei andere nachgewiesen, welche zwischen 1472 und1494 verfafst und theilweise 1506 vom Notar Joh. Kräler übersetzt sind.Das Hauptmotiv soll Brodneid wegen der Concurrenz einer städtischenSchule gewesen sein.
Auf das alte Buch, aus welcher die Vita Hildegardis abgeschriebensein soll (oben S. 391) wird auch nichts zu geben sein.
Dem frühesten germanischen Alterthum gehört Zapperts Schlummer-lied an, welches durch Jaffes Untersuchung in Haupts Zeitschrift XIII,496—501 beseitigt ist; auch sein „ältester Plan von "Wien" ist als Fäl-schung nachgewiesen von R. Schuster, SB. d. Wiener Ak. CXXVI (1892),wo auch ein Facs. des Schlummerliedes. Die Fälschungen des GoslarerWorthalters Erdwin von der Hardt, das Gelübde anKrodo und die Unter-werfung des Sachsen Oddo an Karl den Grofsen, würden einer Erwähnungunwerth sein, wenn nicht noch immer einzelne Unglückliche sich durchdiese vorgeblichen Reste altsächsischer Sprache und Mythologie irreführenliefsen; s. Abdruck und Kritik bei Delius, Ueber den vermeinten GötzenKrodo (1827) S. 110—137. Wahrscheinlich aus derselben Fabrik stammendie erdichteten Annales Goslarienses in Uncialschrift, s. Bodemann,Die Handschriften zu Hannover S. 245.
In der Zimmerischen Chronik (ed. Barack 1869) I, 35 wird „ain seer