Druckschrift 
2 (1894)
Entstehung
Seite
486
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486 V. Staufer. § 24. Die Novelle.

Caesarius haben wir schon oben erwähnt wegen seiner Lebens-beschreibung des Erzbischofs Engelbert von Cöln; er war ein ge-borener Cölner und lebte von 1199 bis c. 1240 in dem CistercienserKloster Heisterbach, Tochter von Himmenrode, das sich damalsdurch strenge Zucht und Sittenreinheit auszeichnete x ), hat sichaber auch aufserhalb des Klosters umgesehen, wie er denn dem Erz-bischof Engelbert nahe stand, und Cöln war damals einer der haupt-sächlichsten Brennpunkte der Politik sowohl wie des Handelsver-kehrs. In der aufserordentlichen Fülle von Geschichten aller Art,die Caesarius in dem Buche, welches er 1223 schrieb 2 ), gesammelthat, tritt uns das Leben jener Zeit in den mannigfaltigsten Formenund Gestaltungen entgegen. Das geistliche Element herrscht natür-lich vor, so wie an Wundern und Visionen, dem Titel entsprechend,Ueberflufs ist; man erstaunt immer von neuem über die Leicht-gläubigkeit des Mannes, welche er freilich, wie "Wybrands (S. 21)bemerkt, mit der grofsen Mehrzahl seiner Zeitgenossen theilte, undmanches bedenkliche Element in seinen Geschichten berührt un-heimlich. Aber zürnen kann man ihm doch nicht; gefährlichenFolgerungen aus einzelnen Visionen geht er mit Geschick undSorgfalt aus dem Wege, und kommt immer wieder auf diestrengen Forderungen einer sehr innigen Frömmigkeit und ernsterMoral zurück. Bei ihm hat der wuchernde Aberglaube das tiefeund ernstliche sittliche Gefühl durchaus nicht erstickt, undschonungslos straft er die Süudhaftigkeit geistlicher und weltlicherWürdenträger.

In den Niederlanden wurde sein Buch besonders viel gelesenund auch früh übersetzt. In Cistercienser Klöstern las man darausbei der Mahlzeit vor, bis Wessel Gansfort im 15. Jahrh. sich wider-setzte:nam haec praeter ineptiam etiam multa periculosa conti-nent". Da wurde es unterlassen 3 ).

Ein weit finstrerer Geist und mehr unheimlicher Fanatismus

Leben der Landgräfin Elisabeth, in welchem die bekannten Aussagen dervier Dienerinnen mit einigen frommen Betrachtungen verbrämt sind nebsteinigen Zuthaten, s. Boerner, NA. XIII, 466472. Ferner Homilien (ed.Coppenstein) vgl. K. Unkel, Die Homilien des C. v. H., ihre Bedeutung fürdie Cultnr- und Sittengesch. d. 12. u. 13. Jahrh. Ann. f, Gesch. d. Nieder-rheins, Heft 34, 1879.

') S. den Brief bei Sudendorf, Reg. II, 172.

2 ) Wegen der Beziehung II, 25 u. VI, 20 auf Erzb. Engelberts Sy-node, nach Bäumker, Ein Tractat gegen die Amalricianer (Paderb. 1893)

s.u.

3 ) Wybrands S. 102.