Walther Map. Gervasius von Tilbury. 485
seinem "Werke durch die besondere Aufmerksamkeit auf die Gesetz-gebung. Im Jahre 1177 war er selbst bei dem Frieden von Venedigzugegen, und deshalb ist seine freilich sehr kurze und gedrängteUebersicht der Kaisergeschichte seit Karl dem Grofsen (II, 19) nichtunwichtig. Besonders aber ist es wichtig zu wissen, wie ein Mannvon so bedeutender Stellung am Hofe und ein Laie die Verhältnisseauffafste, wie er über die streitigen Ansprüche des päbstlichen unddes kaiserlichen Hofes dachte. Da finden wir nun, dafs Gervasiuskeinesweges die aus dem alten Kaiserrecht geschöpfte Ansichtanderer Rechtslehrer von Bologna über die unbeschränkte Macht-vollkommenheit des Kaiserthums theilt; er nimmt vielmehr die Be-hauptungen und Ansprüche der Päbste unbedenklich als gültige undfeststehende Wahrheit auf. Deshalb räth er auch dem Kaiser zurVersöhnung mit dem römischen Pabste, denn durch dessen Ver-leihung (ejus beneficio) sei Rom an das Frankenreich gekommen,habe der Kaiser die Krone. Nicht wer den Deutschen, sondern werdem Pabste gefalle, sei Kaiser. Es sind dieselben Ansichten,welche einst den ganzen Hof Friedrichs I in den gröfsten Zornversetzt, deren Aeufserung den Cardinälen fast das Leben gekostethatte: jetzt ist es des Kaisers Marschall, der sie selber ausspricht,so wie sie auch im Schwabenspiegel als anerkannte Thatsachen sichwiederfinden.
Nicht vom Hofe, sondern aus dem Kloster stammt ein anderesWerk, dessen Zweck Belehrung und Erbauung ist, das aber eben-falls dem Leser reiche Unterhaltung gewährt, die Wundergesprächedes Caesarius von Heisterbach, eine geistliche Novellensamm-lung, wie Böhmer sich ausdrückt, voll Anmuth in der Darstellungund reich belehrend für Cultur und Sittengeschichte 1 ). Ein Vor-gänger von ihm war der schon früher (S. 374) erwähnte Abt Engel-hard, dessen Sammlung erst theilweise bekannt ist.
') Caesarii Heisterbacensis monachi Ord. Cht. Dialogus Miraculorum ed.Strange 1851, 2 Voll. 8. Index dazu Confluentiae 1857. Darin ist auchauf die Vita b. Davidis als seine Quelle hingewiesen, vgl. oben S. 417.Auch Oliver hat er benutzt, Wybrands S. 45—47. — AI. Kaufmann, Cae-sarius von H. Cöln 1850, 8. Zweite Ausg. 1862 mit einem Bruchstückaus seinen VIII libri Miraculorum, von deneu 3 Bücher gefunden sind u.von Franz Wolff herausgegeben werden sollten. Böhmer, Regg. Imp. LXX.Aem. W. Wybrands, Predikant te Hoorn, De Dial. beschouwd als bijdragetot de kennis van het gotsdienstig leven in Nederland, in: Studien en By-dragen von Prof. Moll en Prof. .1. G. de Hoop Scheffer, II, Amst. 1872.AI. Kaufmann, Wunderbare u. denkw. Geschichten aus d. Werken desC. v. H. ausgewählt, übers, u. erläutert, Ann. d. Niederrh. XLVII (1888),LIII (1891). — Hs. in Vorau, NA. II, 410, — Caesarius schrieb auch ein