Druckschrift 
2 (1894)
Entstehung
Seite
487
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Caesarius von Heisterbach. Thomas von Chantimpre. 487

herrscht in dem ähnlichen, wenig späteren Werke des DominicanersThomas von Chantimpre. Dieser war ein geborener Brabanterund Mitglied des 1180 gestifteten Chorherrnstiftes Chantimpre beiCambrai. Lange Zeit hörte er im Auftrage des Bischofs Beichte,und dadurch erwarb er sich eine grofse Menschenkenntnifs undeinen reichen Schatz von Geschichten. Um das Jahr 1230 trat erin den Dominicaner-Orden ein; er ist ein Schüler des AlbertusMagnus gewesen und war dem neuen Orden mit der gröfsten Ver-ehrung zugethan. In den Angelegenheiten desselben bereiste erLotliringen und kam in Berührung mit vielen Männern aus allen"Weltgegenden. Er schrieb Biographieen mehrerer belgischer Nonnen,die aber hier nicht einmal genannt zu werden verdienen, da blofsesinnlose Kasteiungen kein Anrecht auf geschichtliche Beachtunggeben, ferner ein Werk über die Natur der Dinge und endlich 1263sein Buch vom Bienenstaat 1 ). Hierin legt er als Text eine fabel-hafte Beschreibung des Bienenstaates zu Grunde, und knüpft daranmoralisierende Betrachtungen für den Mönchstaat, welchen er mitjenem vergleicht; diese erläutert er dann durch zahlreiche Ge-schichten, die manchen Blick in die Zustände jener Zeiten gestatten.Besonders erkennen wir darin die gewaltige Begeisterung, welchedamals in der Zeit der ersten Ausbreitung den Orden der Prediger-mönche erfüllte, und die Verehrung des Volkes, welche ihm ent-gegenkam. Neben einer begeisterten Hingabe und der Verachtungaller irdischen Güter, welche unsere Achtung erzwingt, zeigt sich,darin in unheimlicher Weise der fanatische Eifer gegen Ketzer undJuden, die unbeschränkte Leichtgläubigkeit und die grofse Neigungzu Träumen, Visionen und Teufelspuk aller Art.

Es ist hier ein ganz anderer Geist als in den alten Mönchs-orden; die früher so eifrig betriebenen Studien der alten Classikerund der Geschichte treten immer mehr zurück und werden vonScholastik und Legendenkram überwuchert. Von geschichtlicherKritik findet sich kaum noch eine Spur; wie durch, geöffneteSchleusen dringen jetzt die albernsten Fabeln, welche Männer wieEkkehard und Otto von Freising nicht einmal der Erwähnung werthachteten, in die Geschichtsbücher ein.

Wir können hiermit die Entwickelung der HistoriographieDeutschlands im früheren Mittelalter als abgeschlossen betrachten;mit Rudolf von Habsburg kommt ein neuer Aufschwung und es

') Thomae Cantipratani Bonum universale de apibus, ed. ColveneriusDuaci 1627.