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2 (1894)
Entstehung
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484
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484 V. Staufer. § 24. Die Novelle.

Walther Map De nugis curialium 1 ) , welches in bunter MischungMärchen und Geschichte, Sittenschilderungen und moralische Be-trachtungen enthält, voll bitteren Spottes über die Weltleute sowohlwie über fanatische und habsüchtige Cleriker und Mönche, aber gegenniemanden so unerschöpflich, wie gegen den neuen Orden der Cister-cienser und Bernhard von Clairvaux, Johanns von Salisbury undseiner Partei besondere Freunde, des Königs Feinde. An schrift-stellerischer Kunst ist Walther mit Johann von Salisbury nicht zuvergleichen, aber sein Werk ist eine unendlich reiche Fundgrubefür die Kenntnifs der Zeit, für Sagengeschichte, vor allem für dasTreiben am Hofe Heinrichs II, dem wir leider nichts ähnlichesaus den Kreisen der staufischen Hofhaltungen an die Seite zusetzen haben.

An diesem englisch-französischen Hofe überrascht es nicht, wennnach jenen Geistlichen, die halb wider Willen von seinem unruhigenTreiben fortgerissen werden, die fast Weltleute geworden sind, nunauch Laien die Feder zu ähnlichen Werken ergreifen. So schriebGervasius von Tilbury, ein Mann von umfassender Belesenheit,ein Anekdotenbuch für König Heinrich den Jüngeren, welches ver-loren ist. Für denselben schrieb er auch ein gröfseres Werk, welcheswegen des Todes des jungen Königs (1183) seine Bestimmung nichterreichte. Später hat er dasselbe für Otto IV bestimmt, der ihnzum Marschall des Reiches von Arelat erhoben hatte; 1211 und1212 sind Theile desselben geschrieben und Winkelmann ist derAnsicht, dafs es bestimmt war, um Otto zur Unterwerfung unterden Willen des Pabstes zu bewegen. Aber abgeschlossen ist dasBuch, so wie es vorliegt, erst nach 1214, und zur Unterhaltung desKaisers in seiner Braunschweiger Verborgenheit bestimmt, führt esden Titel Otia Imperialia*). Darin sind zur Ergötzung und Beleh-rung die mannigfachsten und verschiedenartigsten Dinge zusammen-gestellt, wiolitiges und unbedeutendes, ja abgeschmacktes, Sage undGeschichte, Länderbeschreibung, Naturgeschichte und was ihm nochsonst gerade in die Feder kam. In seiner Jugend war GervasiusRechtslehrer in Bologna gewesen, und das zeigt sich deutlich in

') Gualterü Mapes de nugis curialimn distinctiones quinque. Edited byTh. Wright (zum ersten Male). Printed for the Camden Society 1850. Vgl.Phillips, Walther Map, Wiener SB. X, 319399, und Vermischte SchriftenBd. 3. Auszüge von R. Pauli, SS. XXV, 61-74.

2 ) Leibn. SS. Brunsvic. I, 8811004 mit Nachträgen II, 751784.Auszüge von R. Pauli SS. XXV, 359394; vgl. dens Gott. Nachr. 1882,S. 312-332. Winkelmann, Otto IV, S. 289292. 502.