Johann von Salisbury. 483
den Bereich der Historiographie fiel, aber durch den mannigfachbelehrenden Inhalt manche Chronik aufwiegt. Alpert, Arnold vonSt. Emmeram, Otloh, der Mönch von Herrieden, schrieben ohnefeste Ordnung, ohne die Absicht eine Darstellung der Geschichte zugeben, aber ihre Werke enthalten viel geschichtliches. Auch dieWundergeschichteu lassen sich damit vergleichen, wenn wie in denWundern des h. Wiebert, die einzelnen Geschichten anmuthig aus-geführt, wenn nur diejenigen ausgesucht sind, welche etwas beson-deres und eigenthümliches darbieten. In die Klosterchronik vonSt. Hubert ist eine ganze Reihe von Anekdoten aufgenommen, ge-schöpft aus den Schriftstellern des Alterthums, durch deren Erzäh-lung ein Klosterbruder die Gunst des Abtes Wulfram von Prümgewann 1 ). Diese Schriftsteller wollten belehren, aber zugleichunterhalten, ein Zweck, der gewifs auch bei vielen Legenden vor-auszusetzen ist, wie bei den völlig romanhaften vom h. Georg, vomh. Thomas.
Belehrung ist auch der Zweck des Policraticus, welchen Johannvon Salisbury 1159 dem Kanzler Thomas Becket widmete. InParis und Chartres gebildet, war Johann durch Bernhard von Clair-vaux dem Erzbischof Theobald von Canterbury empfohlen und indessen Diensten rastlos thätig. Jenes Werk sollte den Kanzler anseine Pflichten gegen die Kirche mahnen, es enthält ein Systemkirchlich-politischer Ethik, verbreitet sich über die Gebrechen derZeit, der Menschen überhaupt, und entfaltet dabei eine so gründ-liche Geistesbildung und umfassende Belesenheit, dafs ich ihn hiernicht übergeben wollte, als das merkwürdigste Beispiel davon, biszu welcher Höhe um die Mitte des zwölften Jahrhunderts die aufdem Studium des Alterthums begründete neue Geistesbildung gelangtwar, als sie durch den neu entbrannten Kampf der Kirche gegenden Staat und bald auch gegen die weltliche Gelehrsamkeit umJahrhunderte zurückgeworfen wurde 2 ). Sehr viel tiefer steht schondas zum Theil jenem nachgeahmte und entgegengesetzte Werk des
: ) Dieser Wulfram liefs sich 1084 durch den Scolaris Arnold dieChronik des Regino mit dem Leben Karls und Ludwigs abschreiben, MG.I, 539.
2 ) C. Schaarschmidt, Joh. Saresberiensis nach Leben und Studien,Schriften u. Philosophie, 1862; vgl. HZ. XI, 229. Auszüge aus seinenWerken von R. Pauli SS. XXVII, 43—52. Vgl. oben S. 333 über dieHist. pontificalis. Ueber die durch Adrians IV Pabstwahl vermittelte Be-rührung der englischen Gelehrsamkeit mit den griechischen Studien amHofe König Wilhelms von Sicilien s. Val. Rose: Die Lücke im DiogenesLaertius und der alte Uebersetzer, im Hermes 1866 S. 367—397.
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