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2 (1894)
Entstehung
Seite
482
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482 V- Staufer. § 24. Die Novelle.

Der Winsbeke stellt einen rechten Spiegel des wahren Ritterthumsauf, und Thomasin von Zirkläre im Welschen Gast zeichnet mitscharfen Zügen die arge Entartung desselben um die Mitte des drei-zehnten Jahrhunderts. Dieselbe Klage über die Verwilderung undVersunkenheit der beiden herrschenden Stände erfüllt auch die Ge-dichte des Strickers und andere Werke dieser Zeit.

Das Zerrbild des romanhaften Ritterthums tritt uns leibhaftigentgegen in Ulrichs von Lichtenstein Frauendienst, während etwasfrüher, noch in der guten Zeit unter Leopold dem Glorreichen,Neidhart von Reuenthal in naturwahren Bildern das derbe Bauern-leben in Baiern und Oesterreich schildert.

Eine eigene Klasse bilden noch diejenigen Gedichte, welchescheinbar oder wirklich historische Gegenstände mit jener schranken-losen Willkür behandeln, die wir schon in der Kaiserchronik ihrbuntes Spiel treiben sahen, das Lied von Herzogen Ernst, GrafRudolf), aus dem der Zustand des heiligen Landes nach der Er-oberung sich erkennen läfst, König Ruother, erfüllt von Erinne-rungen an Konstantinopel und den dortigen Hof, die Meerfahrt desLandgrafen von Thüringen, der Sängerkrieg auf der Wartburg.

Dahin gehört auch die Chronik Enikels, welche schon nachganz kurzer Zeit den letzten Babenberger, P^riedrich den Streit-baren, in sagenhafter Gestalt erscheinen läfst (S. 380). Aehnlicbkeitdamit hat eine lateinische Reimchronik 2 ) aus Oesterreich bis 1268,welche zu verwirrt, zu wenig geschichtlich ist, um sie den eigent-lichen Quellen beizuzählen, aber doch Beachtung verdient; sie giebtuns, wie einst Ademar, die Gestalt, welche die Ereignisse imMunde des Volkes annahmen. Ueber die Mongolenzeit und andereVorgänge in Ungern, wie die Ermordung der Königin Gertrud, dieMifshandlung der Steiermark durch die Ungern, ist allerlei darinzu finden.

§ 24. Die Novelle.

Wir haben schon in den früheren Perioden mehr als ein Werkzu erwähnen gehabt, welches seiner Form nach eigentlich nicht in

1 ) Grave Rudolf. Herausgegeben von W. Grimm. 1828. 1844. Darinwird schon um 1170 der König von Böhmen als Schenk des Reichesbezeichnet.

2 ) Chron. rhythmicum 11521268, ed. Wattenbach, MG. SS. XXV, 349bis 368, vgl. 873. L. Weiland, HZ. XL VI, 500. NA. IX, 447.