Druckschrift 
2 (1894)
Entstehung
Seite
319
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Melk. Annalen von Hradisch. 319

§ 9. Böhmen.

In Böhmen wirkte der durch Cosmas gegebene Anstofs fort,und eine Reihe trefflicher Geschichtswerke bis über die Mitte desvierzehnten Jahrhunderts verbreitet nicht allein über die böhmische,sondern auch über die allgemeine Geschichte helles Licht. Der vor-trefflichen Fortsetzung, durch welche ein Wissehrader Domherrdas Werk des Cosmas bis 1142 fortführte, gedachten wir schon oben(S. 207), so wie der ebenfalls guten Fortsetzung des Mönchs vonSazawa bis 1162, welche durch die Nachrichten über S. Procop unddie durch ihn in diesem Kloster zur Herrschaft gelangte slavischeLiturgie besonderen "Werth erhält 1 ).

Im zwölften Jahrhundert wurde auch in dem 1077 begründetenmährischen Kloster Hradisch bei Olmüz ein Annalenwerk compi-liert, dessen Anfang aus Cosmas nebst dessen ersten Fortsetzern, undbis 999 auch aus Ekkehard entnommen ist; doch scheint der Ver-fasser wenigstens von 1095 an auch eigene Annalen zu Gebote ge-habt zu haben, die er mit den Auszügen aus Cosmas so mechanischverband, dafs er nicht selten dasselbe Ereignifs doppelt berichtete.Von 1130 an wird die Fortsetzung immer selbständiger, 1138 schreibter offenbar gleichzeitig, und 1142 wollte er schliefsen, fügte abernoch weitere Nachträge bis 1145 hinzu. Die Einführung von Prä-monstratenser Mönchen unterbrach diese Thätigkeit, welche aber indem böhmischen Benedictiner Kloster Opatowiz wieder aufgenom-men wurde. Hierhin war das Zeitbuch geflüchtet; man trug hierheimische Nachrichten ein und setzte die Annalen um das Jahr 1163bis auf diese Zeit fort. Man findet keine Spur, dafs später vondiesen Annalen Gebrauch gemacht wäre, und erst in neuerer Zeitwurden sie aus der glücklich erhaltenen Handschrift bekannt ge-macht 2 ).

Handschr. n. 412 des zwölften, nicht des elften Jahrhunderts fehlt, scheintspäteren Ursprungs zu sein. Wenn Büdinger, Oesterr. Gesch. I, 474, undH. Pabst, Jahrbücher Heinrichs II II, 80, Benutzung dieser Legende durchThietmar annehmen, so übersehen sie, dals c. 1 Heinrich der zweite un-zweifelhaft als verstorben bezeichnet wird, und Thietmar 1018 gestorbenist. — Ohne historischen Werth ist das Leben Gothalms, der angeblichbei Cholomans Vater Kellermeister war und auszog Choloman zu suchen,unterwegs aber in Mauer bei Melk starb, erst 1362 von Bernhard Dapifer,Mönch in Melk, aufgezeichnet, ed. H. Pez, SS. Rer. Austr. I, 109; Gu. Cuperin Act. SS. Jul. VI, 337.

J ) Ueber die hieraus geflossenen und erweiterten Prokopslegenden s.Feifalik, Sitz.-Ber. d. W. A. XXX, 414.

2 ) Ann. Gradicenses et Opatowicenses , MG. SS. XVII, 643—653 nach