Druckschrift 
2 (1894)
Entstehung
Seite
320
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320 v - Staufer. § 9. Böhmen.

Von allgemeinerer Bedeutung ist das Werk des Vincentiusvon Prag, eine Hauptquelle über Friedrichs I italienischen Feldzugvon 1158.

Wie einst Herzog Wratislaw von Heinrich IV, so wurde Wla-dislaw von Friedrich Barbarossa zum König gekrönt, und er be-währte sich wie jener als eine treffliche Stütze seiner Macht. Nochenger schlofs sich Bischof Daniel von Prag an den Kaiser an; erzog 1158 mit Wladislaw gegen Mailand, blieb aber auch nach desKönigs Rückkehr dort, und bewies sich besonders eifrig und thätigfür die Sache des Pabstes Victor. Im Jahre 1160 führte ein Auf-trag des Kaisers den Bischof nach Ungern, 1166 folgte er demKaiser wieder nach Italien, wo er mit dem Bischof Hermann vonVerden als kaiserlicher Hofrichter thätig war. Im folgenden Jahrewurde er von der schrecklichen Pest hinweggerafft, die damals denglänzenden Erfolgen Friedrichs ein Ende machte. Daniels treuerBegleiter auf diesen Fahrten war Vincentius, Notar und Domherrder Prager Kirche; er selbst schrieb, wie er berichtet, 1158 denkaiserlichen Friedens- und Gnadenbrief für die Mailänder. Traurigkehrte er heim nach dem Tode seines Herrn, und wandte sich nunmit der Bitte um Unterstützung nach so vielen Leiden und Mühenan die Königin Judith. Ihr und ihrem Gemahl zu Ehren verfafsteer seine Chronik, die 1140 mit Wladislaws Regierungsantritt beginntund im Jahre 1167 plötzlich abbricht, offenbar unvollendet, wiedenn auch in der Mitte noch einige Lücken geblieben sind 1 ). DasWerk ist sehr gut geschrieben, treu und zuverlässig, und daher eineunserer wichtigsten Quellen; nur im Anfang ist es über die Vor-gänge in Italien, bevor Vincenz als Augenzeuge berichten konnte,ungenau und irreführend.

Fortgesetzt ist es von Gerlach, dem ersten Abt des Prämon-stratenserklosters Mühlhausen in Böhmen. Dieser Gerlach war von

der früheren Ausgabe von Meinert und Palackys Verbesserungen von miraus der Handschrift ediert. Es ist nicht die Urschrift und daher zweifel-haft, ob die Compilation in Hradisch oder erst in Opatowiz gemacht wurde.Neue Ausg. Fontes Boh. II, 386—400. Die Olmüzer Bischofschronik unterdem Titel Titel Granum Catalogi, welche Loserth im Arch. d. Wiener Ak.LXXVHI, 41—97, untersucht u. herausgegeben hat, ist nach ihm erst saec.XV. und für die ältere Zeit werthlos. Doch mögen seit 1150 gleichzeitigeAufzeichnungen benutzt sein.

] ) Vincentii et Gerlaci Annales ed. Wattenbach, MG. SS. XVII, 654 bis710. Textabdruck von Tauschinski und Pangerl, Fontes Rer. Austr. SS.V, 1863. Fontes Boh. II, 403—516. Vgl. auch Böhmens Antheil an denKämpfen Friedrichs I in Italien, von Dr. Florenz Tourtual, Gott. 1865,Giesebr. IV, 406. R. Dettloff, Römerzug Friedrichs I (1877) S. 12 Anm. 2,S. 19 Anm. 2, S. 36 Anm. 6, S. 40 Anm. 1, S. 52 Anm. 2.