Druckschrift 
2 (1894)
Entstehung
Seite
318
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318 V. Staufer. § 8. Gerhoh v. Reichersberg. Oesterr. Annalen.

den Babenbergern, die auf den Wunsch des Herzogs Leopold VI inMelk verfafst wurde und eine bemerkenswerthe Unklarheit überdie Anfänge des Klosters und der Mark an den Tag legt. NachA. v. Meillers Untersuchung -war der Herzog noch nicht zur Regie-rung gelangt, und ist die Schrift also kurz vor 1177 entstanden,doch ist das zweifelhaft. Der Verfasser fabelt in den Tag hinein,und hat sich nach schriftlichen Hülfsquellen gar nicht umgesehen;dagegen hat er durch das Geschichtchen von einem Gizo, dem Leo-pold I die Burg abgenommen habe, und den Lazius auf Geisa deu-tete, grofse Verwirrung in die Geschichte gebracht. Weiterhin be-gnügt er sich fast ausschliefslich mit der Ausnutzung der PassioCholomanni und der Melker Annalen'). Etwas früher schon hat derAbt Erchenfrid (1121 —1163), unter dem auch Heinrich vonMelk schrieb 2 ), durch die Anlegung des Annalencodex sich um dieGeschichte verdient gemacht, und ihm ist auch die Leidensgeschichtedes Schutzheiligen S. Choloman, eines irischen Pilgers (f 1012), mitder Geschichte seiner Uebertragung nach Melk und den unvermeid-lichen Wundern zugeschrieben; doch ist unter der nach dem Necro-log von ihm verfafsten Historia nach dem constanten Sprachgebrauchwohl nur ein kirchliches Officium zu verstehen. Alte Ueberlieferung,da auch Cholomans Zeitgenosse Thietmar (VII, 54) in ähnlicherWeise seines Todes gedenkt, liegt gewifs zu Grunde, vielleicht auchschriftliche Aufzeichnung, doch ist die Ausschmückung der Geschichteschon so weit fortgeschritten, dafs sicherlich eine lange Zeit seitder auch vom Verfasser (c. 2) als sehr entfernt bezeichneten Be-gebenheit verflossen war, bevor auch nur der erste Theil derselbenaufgezeichnet wurde 3 ).

*) Pez, SS. Austr. I, 290. Neue Ausgabe, doch sehr zerstückt, mitweitläuftigem Commentar, von A. v. Meiller: Ueber das Breve ChroniconAvstriae Mellicense, Denkschriften d. W. A. XVIII; vgl. Heidelb. Jahrbb.LXI, 567—569. Hirsch, Heinrich H I, 136. Ausg. v. Wattenbach MG.SS. XXIV, 69—71; Waitz S. 841 zieht vor: Brevis historia yrincipumAustriae. 0. Lorenz in den „Drei Büchern Geschichte u. Politik" hebt dieWichtigkeit der Nachrichten für Sagengeschichte hervor, und findet esglaublich, dafs doch Geisa in dem Gizo stecke. Die vom ersten Mark-grafen Liupold erzählte Fabel ist mit der mythischen Gestalt des Rüdegerin Verbindung gebracht u. diese ausführlich behandelt von R. Muth, WienerSB. LXXXV, 265—280. — Gemalogia mareliionum de Stira SS. XXIV, 727.Series ducum Bavariae u. ähnliches p. 73—78.

2 ) Herausgegeben von Rioh. Heinzel 1867; vgl. Scherer in der Ztschr.f. österr. Gymnasien 1868 S. 564—579. W. Wilmanns, Beitr. z. Gesch. d. alt.d. Litt. Heft 1, 1885, setzt ihn ins 14. Jahrh. u. nach Ungern; dagegenG. Ellinger, HZ. LXH, 306.

3 ) Passio Cholomanni ed. Waitz, MG. SS. IV, 674—678. Der zweiteTheil über die in Melk geschehenen Wunder, welcher in der Admunter