316 V. Staufer. §8. Gerhoh v. Reichersberg. Oesterr. Armalen.
von Cremona zu seinen werthvollen Nachrichten über den christ-lichen Orient und die Kreuzzüge benutzt 1 ).
Eine erfreuliche Bereicherung unserer Litteratur über diesenKreuzzeug bietet ein von H. Prutz aufgefundenes und veröffentlichtesGedicht, welches im Feldlager vor Akkon entstanden und dem Erz-bischof Dietrich von Besancon gewidmet, ausführlich die Belagerungdieser Feste schildert. Als im Sommer 1190 der Erzbischof starbund bald darauf die Kunde von des Kaisers Tod eintraf, blieb diein froher Zuversicht begonnene Dichtung unvollendet 2 ).
Doch wir kehren zu den Annalen zurück. Dergleichen Auf-zeichnungen wurden jetzt, wie in den früheren Zeiten, in vielenKlöstern und einzelnen Domstiftern gemacht, aber nur selten kennenwir den Namen des Verfassers und oft zeigt auch die immer wech-selnde Handschrift, dafs gar kein bestimmter Verfasser vorhandenwar. Ebenso sehr fehlt es dann natürlich an einer überlegten An-lage und gleichmäfsiger Durchführung: bald sind einige Jahre aus-führlich behandelt, bald beschränkt man sich wieder auf wenigeAngaben über weltkundige Ereignisse und den Wechsel der Aebte."War mehrere Jahre lang nichts geschrieben worden, so entlehnteman die Chronik eines benachbarten Klosters, um die Lücke aus-zufüllen. Häufig benutzte man aber auch nachträglich ältere Werke,um der Lückenhaftigkeit und Armuth der Jahrbücher nachzuhelfen,
: ) Gegen A. Doves Ansicht von einer Schrift eines von Sicard ver-schiedenen Anhängers des Markg. Conrad v. Montferrat, Scheffer-Boichorst,Jen. Litteraturzeitung 1874, S. 455, u. Th. Ilgen, Konrad von Montferrat(Marb. 1880) S. 12—24. — lieber die Quellen für die Geschichte diesesKreuzzuges geben die angeführten Schriften hinlänglichen Aufschlufs. Icherwähne noch die kurze Schrift De excidio regni et regibus Jerusalem, um1200 geschrieben, Eccard II, 1349—1354, besser von Thoraas, Münch. SB.1865 II, 160—170; vgl. Riezler, Forsch. X, 107. Ein Bericht über dieFlotte, welche aus der Scheide auslief, von einem Sachsen verfafst, istin den Abhandlungen der Turiner Akademie 1840 S. 177 ff. von Gazzeraherausgegeben; vgl. Röhricht, HZ. XXXIV, 28. Das Itinerarium Peregri-norum attctore Ricardo Londoniensi, zuletzt 1864 von Stubbs herausgegeben(theilweise MG. SS. XXVII, 191—218) ist mit Benutzung eines französischenGedichts von Ambrosius gearbeitet, welches G. Paris und Monod heraus-geben werden; vorläufige Nachricht und Analyse des Itinerarium Revuehist. III, 229 (ein Stück v. Tobler MG. SS. XXVII, 532—546). HaymariMonaclii de expugnata Accone liber tetrastichus, bei Riant, De HaymaroMonacho, Paris 1865. Rog. de Hovedene ed. Stubbs III, cv—cxxxvi,giebt auch einen kurzen Bericht über Friedrichs I Kreuzzug. Kaum alsGeschichtsquelle zu rechnen ist das im 14. Jahrh. überarbeitete Gedichtvon Landgrafen Ludwig des Frommen Kreuzfahrt (ed. F. H. v. d. Hagen 1854)vgl. Riezler S. 119—125, der Benutzung Arnolds von Lübeck nachgewiesenhat; über andere Quellen Röhricht in d. Zeitsehr. f. Deutsche PhilologieVIII, 419—446.
2 ) Forsch. XXI, 449-494.