314 V. Staufer. § 8. Gerhoh v. Reichersberg. Oesterr. Annalen.
reichen und weniger •wirkliche Jahrbücher sind, als eine Compilationin annalistischer Form, welche für das letzte Jahrzehnt auch selb-ständige Nachrichten gewährt 1 ). Diese Ausarbeitung hat wieder derPriester Magnus benutzt, um theils mancherlei Lesefrüchte für dieältere Zeit einzutragen, theils die Geschichte des Klosters und desSalzburger Sprengeis fortzuführen bis zu seinem Todesjahr, bis1195 2 ). Merkwürdiger Weise liegt sein Werk uns in drei verschie-denen Bearbeitungen vor, von denen die eine (B 2) nur bis 1160geht, mehr alte Geschichte aber nichts vom Kloster enthält, zweiandere bis 1195 so vertheilt, dafs die eine (B 1) alle wichtigerenUrkunden des Klosters vollständig aufgenommen hat, die andere(B 3) nur eine Auswahl der Hausgeschichte enthält und auch dieältere Geschichte nur kurz behandelt. Die Belesenheit des PriestersMagnus verdient alle Anerkennung; aufser Gerhohs Schriften undeiner Menge Legenden kennt er auch Liudprand und Otto von Frei-sing; nur für das zehnte Jahrhundert fehlte es ihm, wie Ekkehard,an Stoff. Aus dem canonischen Recht entlehnte er die Urkundenüber das Verhältnifs des Kaisers zum Pabst, aus den unechtenPassauer Urkunden die fabelhaften Nachrichten über ein vorgeblichesErzbisthum Lorch. Von grofsem Werth sind die eigenen Nach-richten aus dem zwölften Jahrhundert; sie haben später noch Fort-setzungen bis 1279 erhalten, wobei zur Ausfüllung von Lücken dieSalzburger Annalen benutzt sind. Magnus ist ein Anhänger Ale-xanders, drückt sich aber doch mit Mäfsigung über Friedrich aus,und nach dem Frieden ist er sehr für ihn eingenommen.
Endlich hat sich im Kloster Vorau noch eine Handschrift dieserChronik (B 4) erhalten, deren Schlufs von 1191 an verloren ist; siekommt B 1 am nächsten, läfst aber consequent die Hausnachrichtenweg und setzt an deren Stelle die Gründungsgeschichte vonSeckau, ein besonders deutliches Beispiel der Art, wie dergleichenWerke von einem Stifte zum anderen übergingen und wie unsicherder Schlufs von einigen localen Nachrichten auf die Herkunft einerChronik ist 3 ).
*) Bei Canis. III, 2, 219 ex cod. Aldersbacensi. Von 921 an MG. SS.XVII, 443—476. Vorher ist Regino Hauptquelle.
2 ) Er starb am 12. April u. die S. 522 am Schlufs noch angefügtenBriefe aus diesem Jahr gehören schon zu der Fortsetzung.
3 ) Magni presb. Annales Reicherspergenses ed. Wattenbach, MG. SS.XVII, 439-534; p. 434—476 a. 921—1167 aus A und B 1. 2. 4, p. 476bis 488 a. 1—1167 aus B 3; p. 488—523 a. 1167—1195, p. 523—534 dieFortsetzung. Die Urkunden von B 1 sind weggelassen, sie finden sich imChronicon Reich, ed. Gewold, Mon. 1611, B 3 von 1084—1195 zuerst inBöhmers Fontes III, 530—553. — Arno, seinem Bruder und Nachfolger,