312 V. Staufer. § 8. Gerhoh v. Reichersberg. Oesterr. Aimalen.
Schriften der Art noch milde und züchtig erscheinen. Dieser Ab-schnitt -wurde schon von Tengnage] veröffentlicht 1 ). Im weiterenVerlauf aber wendet sich Gerhoh mehr und mehr gegen die römi-sche Curie, gegen ihre Habgier und Bestechlichkeit, den Hochmuthund die Erpressungen der Legaten, den Mifsbrauch der Appellationenund Exemptionen; er tadelt die Verbindung der Päbste mit Mailandund den Normannen, das ganze Verhalten Adrians und Alexandersdem Kaiser gegenüber, und wenn er auch zögernd für Alexandersich entscheidet, so sieht er doch die grofse Verschlimmerung derZeiten darin, dafs hier Recht und Unrecht gar nicht zu unterscheidensei und man eigentlich vorziehen müsse, mit dem König von Ungernneutral zu bleiben. Von diesem ganzen Abschnitt, welcher jetztdurch Stülz bekannt gemacht ist 2 ), war bis dahin nur durch Gretser(Opp. III, 111—114) eine Stelle rnitgetheilt, in welcher Gerhoh aus-führlich über den Kreuzzug von 1147 berichtet 3 ), der für die ganzeChristenheit ein so grofses Aergernifs war, thöricht unternommen,mit äufserstem Leichtsinn geführt und jämmerlich geendet, nachdemdie gröfsten Erwartungen dadurch erregt waren. Das Scheitern derganzen Unternehmung betrachtet Gerhoh als eine gerechte Strafe fürdie Sünden der Theilnehmer; vorzüglich aber sieht und beklagt erdie Macht der Dämonen in den theils betrüglichen, theils nach seinerMeinung wirklichen Wundern, mit denen vom Kreuzzug heimkehrendeVagabunden das Volk verführten.
Hieran reiht sich eine schon etwas früher geschriebene 4 ), vonE. Mühlbacher herausgegebene Schrift, ein ausführlicher, sehr merk-würdiger Brief an Alexanders Cardinäle 5 ). Nach dem verhängnifs-
') Gerhohi Reich, de Henrico IV et V imperatoribus etc. Syntagma,Mon. adv. Schism. p. 415, wiederholt in Gretseri Opp. VI, 243.
2 ) Des Probstes Gerhoh von Reichersberg Abhandlung de investigationeantichristi, auszugsweise rnitgetheilt von J. Stülz, Archiv d. W. Ak. XX,127—188. Diese histor. Betrachtungen finden sich nur im ersten Buch;das dritte ist nicht vollständig erhalten. Ausg. von Fr. Scheibelberger:Gerhohi Reich, opera hactenus inedita. Libri III de investig. Antichristi,una cum tractatu adversus Graecos. Lincii 1875. Vgl. Moritz Meyer, DieWahl Alex. III und Victors IV (Gott. 1871) S. 53 ff. Scheffer-Boichorst,Ann. Patherbr. S. 195 berichtigt eine Stelle über das Wormser Concordat,ohne jedoch, wie Forsch. XIII, 398 gesagt ist, Lobwisen an die Bergstrafsezu verlegen. Heppenheim an der Wiese liegt dicht bei Worms.
3 ) Für die Geschichte des Kreuzzuges ist sie unbrauchbar nachB. Kugler, Studien zur Gesch. d. zweiten Kreuzzuges S. 34—36; vgl. auchdessen Analecten.
4 ) Nach Hüffer im Hist. Jahrb. 1889, S. 793.
5 ) E. Mühlbacher, Gerhohi Reich, ad Cardinales de schismate epistola,Arch. d. W. A. XLVII, 355—382. S. 364 vor n. 3 ist Adrian IV gemeint,nicht Adrian I. Nach Mitth. v. Mühlbacher ist u. a. S. 367 Z. 26 für tenuit