Salzburg. Gurk. Gerhob. von Reichersberg. 309
herr einkleiden. Es war eine Stiftung des Herzogs "Weif, 1086unter Mitwirkung des Bischofs Altmann yon Passau gegründet;1090 erhielt sie ein päbstliches Privileg. Hier war bis 1094 jenerMangold Decan gewesen, dessen Schriften Gerhoh anführt, aber nichtlobt 1 ). Von hier berief ihn Kuno, früher Abt zu Siegburg, jetztBischof von Regensburg, zu sich; als dieser 1132 starb, begab sichGerhoh, von Innocenz II empfohlen, zu Konrad von Salzburg, derihn zum Probst von Reichersberg erhob, wo er bis an sein Ende(1132—1169) blieb und das Kloster zum blühendsten Zustand er-hob. Doch hatte auch er zuletzt von der ausbrechenden Verfolgungzu leiden; schriftstellerisch thätig blieb er, bis er 1169 am 27. Juni76jährig starb.
Gerhoh gehörte der strengsten mönchischen Richtung an, diedarauf ausging, alle Geistlichen zu regulärem gemeinsamem Lebenzu nöthigen, und ihre Verflechtung in weltliche Angelegenheiten alsein Unglück betrachtete: dieselbe Richtung, der einst Petrus Damianiangehörte, die Paschalis vergeblich versucht hatte durchzuführen.
Mäfsigung kannte Gerhoh nicht, offen und aufrichtig war er imhöchsten Grade; er bekämpfte schonungslos die Gebrechen der Kircheund des Clerus, auch des päbstlichen Hofes, die Verweltlichung derKirche, die Hingabe ihrer Güter an reisige Dienstleute, und daherhatte er auch mit seinen eigenen Parteigenossen vielerlei Händel zubestehen; für Alexander hat er sich zwar nach längerem Schwankenerklärt, aber er war weit entfernt alles zu billigen, was auf dieserSeite geschah. Ihm gefiel am besten Eugen III, der die Erzbischöfevon Cöln und Mainz mit sammt den goldbeladenen Saumthieren,welche sie zur Betreibung ihres Prozesses mitgebracht hatten, uner-leichtert heimsandte; bitter klagt er über die Habsucht der Römer,welche den Pabst seit dem Zerfall mit dem Kaiser zur Erpressungzwinge. Aufser seinen theologischen Werken schrieb Gerhoh eineMenge von Briefen und polemischen Schriften, die für die Kenntnifsdieser Zeit wichtig sind 3 ). Irrthümlich ihm zugeschrieben ist eine
') S. oben S. 52. Der Manogald, dessen grammatisch-mythologischeGlossen zu Ovids Metamorphosen im Clm. 4610 aus Benedictbeuern sind(M. Haupt im Hermes VII, 192, Opuscula III, 588), mufs wohl ein anderersein. Einige Stellen mehr von ihm weist aus ders. Hs. Meiser nach,Münch. SB. 1885, S. 70.
2 ) Handschrift in Admunt, Archiv X, 640; gröfstentheils gedruckt'beiPez, Thes. VI. Opera bei Migne CXCIII, CXC1V; über die Schlechtigkeitder Ausgabe s. Dilloo de Gerhoho (Diss. Berol. 1867 über seine Theologie)S. 3. Vgl. auch die Abhandlung über Gerhoh von Stülz in den Denkschriftender "Wiener Akademie I, 113—166; R. Heinzeis Einleitung zur Ausgabedes Heinrich von Melk S. 37 ff. J.Bach in d. Oesterr. Vierteljahrsschrift