Druckschrift 
2 (1894)
Entstehung
Seite
308
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308 V. Staufer. § 8. Gerhoh v. Reiohersberg. Oesterr. Annalen.

bekannt gewordenes Annalenwerk, welches sich durch eine seltsameFabelgeschichte über K. Richards Heimkehr vom Kreuzzug aus-zeichnet 1 ).

Zu den Quellen des zwölften Jahrhunderts aber gehört aufserden erwähnten Annalen noch eine kleine Chronik des BisthumsGurk, welche leider nur bis 1180 reicht 2 ), und die ReichersbergerChronik nebst den Annalen verschiedener österreichischer Klöster,zu welchen wir jetzt übergehen wollen. Von dem Bischof Otto vonGurk (f 1214) hat sich eine sehr reumüthige, an das Generalcapitelder Cistercienser gerichtete Todesanzeige erhalten, welche er mitAusnahme des Todestages selbst verfafst zu haben scheint (NA. II,447). Er hat sich als Domprobst von Salzburg um die Herstellungdes Nonnenchors in der Cathedrale verdient gemacht, wo er in demWandgemälde mit der Mitra neben sich dargestellt wurde, weil erdie Weihe nicht erlebte 3 ).

§8. Gerhoh von Reichersberg. Oesterreichische Annalen.

Gerhoh von Reichersberg, 1093 zu Polling geboren, zeich-nete sich schon frühzeitig aus während seiner Studien in Freisingund Mosburg; höhere Ausbildung suchte er in Hildesheim, wo erdrei Jahre blieb. Heimgekehrt wurde er von jenem kaiserlich ge-sinnten Bischof Hermann von Augsburg, den seine Widersacher soarg verleumdet haben, zu der erledigten Stelle eines Meisters derhohen Schule zu Augsburg berufen; damals war Gerhoh ebenfallsdieser Partei völlig ergeben und wurde von Hermann zum Domherrnerhoben. Allmählich aber zog er sich von der Gemeinschaft derKaiserlichen zurück und suchte endlich Zuflucht in Raitenbuch biszum Abschluss des Friedens zwischen Staat und Kirche. Da war eres, der Bischof Hermann nach Rom geleitetete und seine Aussöhnungmit dem Pabst vorzüglich bewirkte, aber von Sehnsucht nach demKlosterleben ergriffen liefs er sich um 1124 in Raitenbuch afs Chor-

bei Fr. Mone de palimpsestis p. 24—28, Becker, Catal. S. 233. Die sco-lares libri sind fast alle profan. Ein schöner Kelch mit Patene s. XII aufder Münchener Ausstellung 1876 hat nach dem Catalog S. 13 die seltsameAufschrift: „Gaudeat in vita Heinricus Sirus Etita"; Heinrich 1 war 1147bis 1167 Abt u. wurde Bischof von Gurk, Heinrich II war 1167—1188 Abt.*) Annalium Salisb. additamentum ed. Wattenbach, MG. SS. XIII, 236bis 241: vgl. oben I, 149.

2 ) Chronicon Gtircense ed. Wattenbach, MG. SS. XXIII, 8—10. Frühernur fragmentarisch bei Hansiz in der Germania Sacra II 300. — B. Sehroll:Series epp. Gurcensium, im Arch. f. vaterl. Gesch. u. Topogr. (v. Kärnten 1885)XV, S. 1 ff.

3 ) Mitth. d. Centralcommission XVI (1871).