Druckschrift 
2 (1894)
Entstehung
Seite
301
Einzelbild herunterladen
 

Lambert von Neuwerk. Berthold von Garsten. 301

auch die Cleriker des bald nach. 1125 gestifteten Berchtesgaden,mit welchem Baumburg in enger Beziehung stand, aber der vonhier aus erhobene Anspruch auf Unterordnung von Berchtesgadenscheint unbegründet zu sein, da beide dem römischen Stuhl un-mittelbar unterworfen wurden. Vorzüglich diese vorgebliche Be-rechtigung verficht die Gründungsgeschichte, enthält aber übrigensebenso wie die von Berchtesgaden für Provinzialgeschichte undCulturgeschichte wichtige Züge 1 ). Aus Konrads Zucht stammteauch Hartmann, der von Passau aus St. Nikola 1122 nach Salzburggekommen war, Domdechant, dann Probst von Chiemsee war, wo erdas canonische Leben einführte, 1133 zu demselben Zweck der neuenStiftung Klosterneuburg vorgesetzt wurde und endlich als Bischofvon Brixen (1140—1164) seine Laufbahn beschlofs. Ein Chorherrdes auf seinen Betrieb gestifteten Klosters Neustift bei Brixen, derihn jedoch nicht mehr persönlich gekannt hatte, hat zwischen 1190und 1216 sein Leben beschrieben 2 ). Es ist arm an geschichtlichemInhalt, aber desto reicher an Phrasen und Wundergeschichten.

Lehrreicher ist das Leben Bertholds, des ersten Abtes vonGarsten 3 ). Der Markgraf Otakar von Steier hatte hier auf seinemErbgute eine Stiftung für Cleriker gemacht, aber wie das so häufigvorkommt, diese wollten nicht gut thun. Der Markgraf entschlofssich daher (1107) Mönche aus Götweih dort einzuführen; den frem-den Clerikern erlaubte er abzuziehen, aber wer darunter zu seineneigenen Leuten gehörte, mufste Mönch werden. Einer weigerte sichhartnäckig, aber der Markgraf liefs ihn so lange prügeln, bis ereinwilligte. Dieser soll dann von Stund an sich durch besondereFrömmigkeit ausgezeichnet haben. Zuerst stand dem neuen Klosterder Götweiher Prior Wirnt vor; als dieser bald darauf Abt vonFormbach wurde, folgte ihm Berthold, der nach Götweih aus St. Bla-sien gekommen war und den Mönchen in Garsten bis an seinen Todam 27. Juli 1142 vorstand.

: ) Beide von Holder-Egger herausgegeben, Fund. Baumburg. SS. XV,2, 1061—1064; Berehtesgad. p. 1064—1067. — Altarweihe in Suben 1135durch B. Altmann v. Trient, ib. p. 1106.

2 ) Vita Harlmanni ep. Brixinensis ed. Pez, SS. Aüstr. I, 495. Mit Ver-besserungen im Geschichtsfreund, Brixen 1867, S. 55ff. Vgl. Zeifsberg:Zur Kritik der V. H. im Arch. d. W. Ak. LVI, 447—464, wo nachgewiesenist, dafs der Vf. nicht Klosterneuburg angehört hat, und über die Hss. u.jüngere Bearbeitungen Auskunft gegeben wird. Nachrichten über BrixenerBischöfe enthält ein Catalog derselben; s. Osw. Redlich in d. Zeits. d.Ferdinandeums, 3. Folge, 28. Heft (NA. X, 432). Brixener Kirchweihen SS.XV, 2, 1110. 1288. Altarweihe in Polling, wo Brixen die Vogtei hatte,am 3. Nov. 1160, ib. p. 1027.

3 ) Vita Bertholdi abb. Garst, ed. Pez, SS. Austr. II, 86.