296 V. Staufer. § 6. Gotfried v. Viterbo.
der eilige, in -völlige Flucht ausartende Rückzug, und die Verheerun-gen der Pest sind mit anschaulicher Lebendigkeit geschildert.
Schon 1822 hat Docen im Archiv auf dieses werthvolle Stückaufmerksam gemacht; doch erst 1853 hat J. Ficker sich durch dieHerausgabe desselben ein grofses Verdienst erworben. Waitz konntezu der seinigen, wie erwähnt, anch die Pariser Originalhandschriftbenutzen, welche aber am Ende verstümmelt ist 1 ).
Nur bis 1181 reicht diese Dichtung, und 1183 scheint sie voll-endet zu sein; er nahm sie auf in sein 1185 nach neunjährigerArbeit vollendetes Werk Memoria Saeculorum, welches er wiederumKönig Heinrich widmete. Aus Prosa und Versen gemischt, umfafstes die ganze Weltgeschichte. Bald nach Vollendung dieses Werkeswurde ihm, wie es scheint, zuerst Ottos von Freising Chronik be-kannt, ein unschätzbares Hülfsmittel für seine Studien, das er abernirgends genannt hat, obwohl er sonst gern mit dem Namen derAutoren prunkt, die er gelesen, oft auch nur irgendwo genannt ge-funden hat; macht er doch sogar aus den falsch gelesenen Wortenhoc loco bei Paulus Diaconus einen historiographus Toclacus (XXIII,4 p. 212). Nun machte er sich an eine neue Bearbeitung seinerWeltgeschichte, der er den Namen Pantheon gab. Unablässig ister damit beschäftigt gewesen und hat geändert und zugesetzt. Um1186 widmete er eine Ausgabe dem Pabste Urban III; 1187 einezweite dessen Nachfolger Gregor VIII und Heinrich VI, und bis1191 ist er mit der Arbeit beschäftigt gewesen. Er wollte auchFriedrichs I Kreuzzug beschreiben, was er aber nicht ausgeführthat, und des Kaisers Tod erwähnt er nicht mehr.
In einigen Handschriften der Ausgabe des Pantheon, welche miteiner Widmung an Gregor VIII versehen ist, findet sich ein Gedichtüber Heinrich VI eingeschoben 2 ), in vierzeiligen gereimten Strophen,welches Waitz als Gotfrieds Werk betrachtet. Ich mufs mich jedochder Ansicht Scheffer-Boichorsts anschliefsen, welcher dasselbe inSprache und Metrik zu roh, und auch den süditalienischen Stand-punkt, mit einer besonderen Beziehung auf Rimini, für Gotfriednicht angemessen findet. Es scheint uns daher wahrscheinlicher,dafs Gotfried den alten Kaiser nicht lange überlebt hat.
: ) 1. c. p. 307—334. Für v. 895 mufs ich bei meiner schon 1855 (Cen-tralbl. S. 137) vorgeschlagenen Conjectur eriles, v. 935 cavetur beharren.
a ) Gesta Heinriä VI, MG. SS. XXII, 334-338 u. im Sep.-Abdr.mit den Gesta Friderici; vgl. Scheffer-Boichorst, Hist. Zeitschr. XXIX,441—444.