Druckschrift 
2 (1894)
Entstehung
Seite
295
Einzelbild herunterladen
 

Speeulum regum. Gesta Priderici. 295

dieses Buch in den Schulen -werde lesen lassen. Das werde denKnaben nützlicher sein, als die Fabeln vom Corydon oder das Viehdes Meliboeus. Und fast scheint es, als ob sein Wunsch erfülltwäre, da mit dem Gedichte ein weitläuftiger Commentar verbundenist, der nicht von dem Verfasser selbst herrührt. Geschichte istfreilich weder aus dem "Werke selbst noch aus dem Commentar zulernen, aber Fabeln sind in Menge darin zu finden, und für mancheUntersuchungen ist es dankenswerth, dafs jetzt eine Ausgabe davonvorliegt 1 ).

Nach der Ueberschrift wollte Gotfried das "Werk bis auf dieGegenwart fortführen, und auch von allen Thaten Kaiser Friedrichsberichten. Davon finden wir in den vorliegenden Handschriftennichts; dagegen hat sich abgesondert eine poetische Behandlung derThaten Friedrichs (Gesta Friderici) erhalten, die fast allein unterGotfrieds Werken geschichtlichen Werth hat. Doch hat er es auchhier nicht unterlassen, in die Mailänder Ereignisse eine greulicheConfusion zu bringen, indem er einen Bericht über die erste Bela-gerung von 1158, vielleicht denselben, dessen auch die CölnerKönigschronik gedenkt 3 ), für die zweite verwendet, und namentlichdie Beschreibung der Schlacht an der Adda von 1158 in die Bela-gerung von 1160—1162 gebracht hat. Das ist zuerst von Tourtualnachgewiesen 3 ), und dann von Waitz genauer und berichtigend fest-gestellt, verbunden mit dem Nachweis, dafs im ersten Theile Got-fried nach den Gesten Otto's von Freising gearbeitet hat. Dochhat er über den Feldzug von 1155 eigenthümliche Nachrichten undseine persönliche Anwesenheit scheint nicht zu bezweifeln 4 ). Waitz hatferner nach Anleitung eines theilweise erhaltenen Autographs gezeigt,dafs Gotfried unsprünglich wohl nur den Sieg über die Mailändervon 1162 hat feiern wollen, später aber mehr hinzugefügt, doch nochimmer mit der Beschränkung auf Italien. Der Triumph über Hein-rich den Löwen hat wieder ein abgesondertes Stück gebildet, undist erst nachträglich hinzugefügt. Die Hauptsache für uns aber ist,was vorhergeht, nämlich der Bericht über den Feldzug von 1167,von welchem Gotfried als Augenzeuge erzählen konnte. Vorzüglich

') MG. SS. XXII, 21—93. Bis dahin ungedruckt. _ Ueber eine Mün-chener Hs. NA. IV, 165. Dazu die ansehnliche Erweiterung durch die„Dinumeratio regnorum imperio subjectorum" im cod. Paris. Nouv. acq. lat.299, s. S. 294 Anm. 1.

2 ) MG. SS. XVII, 769; Chron. regia ed. Waitz p. 99. _

3 ) Böhmens Antheil an den Kämpfen Friedrichs I in Italien, Gott.1865, S. 113—150, vgl. G. Waitz, Gott. Nachr. 1866, S. 279-293.

4 ) S. oben S. 293 u. bei Detloff noch S. 19 Anm. 1 u. S. 44 Anm. 5.