Gotfrieds Leben und Schriften. 293
mit der gröfsten Sorgfalt erziehen und unterrichten 1 ), und Gotfriedwird wohl auch etwas mitgeholfen haben, obgleich wir ihn alseigentlichen Prinzenlehrer nicht betrachten dürfen. Das würde ernicht verschwiegen haben, und er hatte auch keine Zeit dazu. Sehrhäufig wurde, er mit Sendungen in ferne Länder beauftragt; nachseiner eigenen Angabe (S. 105, a. 1185) einmal nach Sicilien, drei-mal in die Provence, einmal nach Spanien, häufig nach Frankreich,nach Rom aber gar vierzigmal von Deutschland aus. Urkundlicherwähnt finden wir ihn zuerst am 23. März 1153 zu Constanz, woer als königlicher Caplan unter den Zeugen des mit dem Pabsteabgeschlossenen Vertrages vorkommt; ebenso ist er unter denZeugen des 1155 noch in der Lombardei mit Adrian IV abgeschlos-senen Vertrages 2 ). 1162 war er mit dem Kaiser in Burgund; 1167nahm er wieder Theil an dem anfangs so glänzenden italienischenFeldzug, dem durch die furchtbare Pest dieses Jahres ein traurigesEnde bereitet wurde; später, wir wissen nicht wann, gerieth Got-fried in die Gefangenschaft des Markgrafen von Montferrat 3 ). Auchin den Jahren 1174 bis 1178 ist er wieder in Italien gewesen; erwar Canonikus zu Pisa und zu Lucca 4 ), hielt sich aber in seinemAlter dauernd in Viterbo auf und hat da auch seine letzte Schriftverfafst, das Pantheon, von dem er ausdrücklich sagt, dafs es inder Pfalzkirche zu Viterbo vollendet sei. Er lobt den Ort sehrwegen seiner angenehmen und gesunden Lage, den alten Dienerndes Kaisers diene er zur Erholung von ihren Anstrengungen; aberer klagt zugleich, dafs nicht besser für sie gesorgt werde 5 ). DenViterbiensern galt er augenscheinlich als ein grofser Dichter; erverfafste für sie die Verse, welche sie unter Heinrichs VI Regierungauf ihre neugebaute Porta Sonza setzten 6 ).
Ruhe und litterarische Mufse hatte Gotfried auch 1185 nochnicht gefunden. Wir entlehnten schon einige Angaben der Schilde-
J ) „Liberos suos omnes litteris apprime erudiri fecit." Otto de S.Blasio c. 21.
3 ) Huillard-Breholles, Rouleaux de Cluny p. 54. R. Detlofi", Der ersteRömerzug K. Fr. I (Gott. 1877) S. 29 u. 32 bemerkt gegen die Annahmevon Ulmann und Waitz, dafs Gotfried auf dem Feldzug von 1155 zugegenwar, und setzt den Absehlufs des Vertrages trotz des Kaisertitels in denJanuar 1155.
3 ) Pantheon XXIV, 12 p. 271.
4 ) Stumpf 4242. 4243; vgl. Scheffer-Boichorst 1. c. S. 443.
5 ) Gesta Friderici v. 145—165.
G ) Waitz, Praef. p. 2 n. 29. Le Croniche di Viterbo, Fontt. IV, 691.Diese Chronik des Fra Francesco di Andrea di Viterbo ist mit der Fort-setzung bis 1450 neu herausgegeben von Conte F. Cristofori im Archiviostorico per le Marche e per Ümbria IV, 261—338.