Gotfried von Viterbo. 291
wachsene Sprache 1 ), freie Beherrschung und Anordnung des Stoffesnach höheren Gesichtspunkten, und die Grundlage einer umfassen-den gelehrten Bildung, welche ihrer Auffassung Sicherheit und Be-stimmtheit verleiht, und mit eigener reicher Erfahrung verbundensie befähigt, sich weit über das Gebiet der blofsen Compilation undBerichterstattung zu erheben. "Wir werden noch einige Werke zunennen haben, welche sich diesen anreihen, aber während dann inFrankreich und Italien eine fortschreitende Entwickelung sowohl derHistoriographie als der gelehrten Bildung überhaupt zu beobachtenist, finden wir in Deutschland einen unverkennbaren Rückschritt.Die Kunst der Darstellung und die historische Kritik verschwindenfast ganz, und wenn auch hin und wieder recht gute Aufzeichnungender Zeitgeschichte zum Vorschein kommen, so fehlt ihnen doch,was bei der Zerstückelung des Reiches nicht ausbleiben konnte, dieUebersicht der allgemeinen Geschichte, sie sinken zu blofsen Local-chroniken herab und sind doch andererseits auch auf diesem Ge-biete mit den ähnlichen Leistungen der Italiener nicht zu ver-gleichen.
Einen aufserordentlichen Contrast bildet sogleich Gotfried vonViterbo zu Otto von Freising, dem er sich zunächst anschliefst,und dem wir ihn deshalb auch hier anreihen wollen.
Gotfried war allem Anschein nach von deutscher und zwar vonsächsischer Abkunft, denn die Sachsen lobt er vor allen anderen 2 ),und mit der Verherrlichung des Erzbischofs Wichmann von Magde-burg schliefst er sein Gedicht über die Thaten des Kaisers Frie-drich; ihn für einen Italiener zu halten ist kaum möglich, wenn erauch durch langen Aufenthalt in Italien von italienischer Schreibartmanches angenommen hat. Gelernt hat er sein Latein in Bamherg,wohin ihn Kaiser Lothar der Sachse brachte. Vermuthlich standseine Familie im Hofdienst, und dadurch wird sie auch nach Viterbogekommen sein, wo Gotfried, sein Bruder Werner und dessen SohnReimbert, mitten auf ihrem Allod zu des Kaisers Ehren eine Pfalzerbauten; diese gab ihnem der Kaiser, indem er Erstattung derdarauf verwandten Kosten versprach, im October 1169 zu Lehen;nur die Aufnahme daselbst bei persönlicher Anwesenheit behielt er
J ) Ich halte daran fest trotz der jetzt nachgewiesenen mühsamen Mo-saikarbeit Rahewins, weil sein Product den Eindruck freier Darstellungmacht, ganz anders als z. B. Heriger.
2 ) Gesta Frid. v. 1171 ff., wo 1174 das Comma zwischen (h)orrea undtriticea zu streichen, und 1197 periit zu lesen ist.
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