Druckschrift 
2 (1894)
Entstehung
Seite
289
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Guntber von Pairis. 289

nicht nur den Kreuzzug mitgemacht, sondern auch aus Constanti-nopel sehr werthvolle Reliquien für sein Kloster mitgebracht. Hier-über vorzüglich berichtet Günther 1 ) und theilt dabei über das ganzeUnternehmen nach der Erzählung seines Abtes sehr schätzbare undaus eigener unmittelbarer Kenntnifs geschöpfte Nachrichten mit.Darstellung und Schreibart sind vortrefflich. Die Unterschrift be-lehrt uns, dafs Günther Scholasticus gewesen, dann aber Mönch ge-worden sei. Ferner verfafste er noch ein Werk ascetischen Inhalts 2 ),aus welchem sich einige Kenntnifs seiner Persönlichkeit gewinnenläfst. Er war ein gelehrter Grammatiker, der viel gelesen hatte,wenn er auch mehrere der von ihm genannten Autoren, wie Sapphound Menander, nur aus älteren Anführungen kannte. Der Weltlustscheint er sich nach der Weise der vornehmen Weltgeistlichkeitziemlich rückhaltlos hingegeben zu haben; jetzt will er seine Seeleretten, kann aber die überstrenge Klosterzucht schwer ertragen, undleidet an Kopfweh.

Dafs Günther auch Verse machte, ist erst kürzlich durch dieneue Ausgabe seiner Historia Constantinopolitana vom Grafen Rianterwiesen, und diese Verse haben nun endlich Pannenborg die Waffengeliefert, um wirklich mit Erfolg seine These durchzukämpfen; derWiderspruch verstummt, und auch G. Paris hat seine Zustimmungerklärt 3 ). Dagegen hat Pannenborg selbst die früher behaupteteIdentität des Verfassers der Historia Peregrinorum fallen lassen.

Gänzlich verklungen ist leider das altdeutsche Epos auf KaiserFriedrich, dessen nur Rudolf von Ems gedenkt:

diu maerewie der edel Stoufaereder Keiser Friderich verdarp,und lebende hohez lop erwarp 4 ).

Dagegen ist neu aufgefunden eine epische Behandlung derLombardischen Kriege Friedrichs in 3343 Versen. Schon Bethmannhatte nach diesem Werk gesucht (Arch. XII, 366), dann fand esErnesto Monaci im Cod. Ottobon. 1463, und Dehio eine andere

chretiente en 1202? Revue bist. IV, 74—102. Endlich die sehr ausführ-liche Einleitung des Grafen Riant zu der Sammlung Exuviae sacrae.

') Pannenborg in d. angef. Progr. setzt die Abfassung erst in dieJahre 1217 oder 1218.

2 ) De oratione, jejunio et elemosyna, Basil. 1507, Migne CCXII, 25 ff.

3 ) Revue crit. 1889, S. 310.

4 ) J. Grimm, Gedichte auf Friedrich I, Abh. d. Berl. Acad. 1843 S. 145bis 153. Kl. Schriften III, 3—12.

Wattenbaoh, Geschichtsquellen II. 6. Aufl. 19